{"id":16414,"date":"2012-01-20T17:40:42","date_gmt":"2012-01-20T16:40:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=16414"},"modified":"2012-01-21T17:22:06","modified_gmt":"2012-01-21T16:22:06","slug":"rezension-da-drin-ist-es-mir-zu-laut-schulgeschichten-von-reinhold-muller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rezension-da-drin-ist-es-mir-zu-laut-schulgeschichten-von-reinhold-muller\/","title":{"rendered":"Rezension: &#8218;Da drin ist es mir zu laut!&#8216; Schulgeschichten von Reinhold Miller"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_16388\" aria-describedby=\"caption-attachment-16388\" style=\"width: 161px\" class=\"wp-caption alignleft\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16388  \" title=\"schulgeschichten01\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/schulgeschichten01.jpg\" alt=\"Schulgeschichten\" width=\"161\" height=\"232\" \/><\/strong><figcaption id=\"caption-attachment-16388\" class=\"wp-caption-text\">Schulgeschichten<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u00e2\u20ac\u017eDa drin ist es mir zu laut!\u00e2\u20ac\u0153 hei\u00dft die 84-seitige Brosch\u00fcre mit Schulgeschichten, erz\u00e4hlt von Reinhold Miller.\u00a0 Der Autor ist pensionierter, passionierter und promovierter P\u00e4dagoge und er berichtet aus dem Schulalltag. <\/strong><\/p>\n<p>Das Heft versammelt kleine, unterhaltsame Geschichten, die er in seiner langj\u00e4hrigen Berufst\u00e4tigkeit erlebte und die den Blick auf die Beziehungen der an Schule Beteiligten \u00f6ffnen sollen. Im Vorwort bekennt Miller:<strong> \u00e2\u20ac\u017eAm meisten habe ich von den Kindern und Jugendlichen gelernt. Ihnen gilt mein besonderer Dank.\u00e2\u20ac\u0153<\/strong><\/p>\n<p>Millers Ziel ist ein menschliches Miteinander, die gegenseitige Achtung, die Begegnung auf Augenh\u00f6he. Sch\u00fcler, Lehrer und Eltern, diesen drei Gruppen widmet er sich in seiner Brosch\u00fcre.<\/p>\n<p>Die Geschichten <strong>\u00e2\u20ac\u017e\u00dcber Kinder und Jugendliche\u00e2\u20ac\u0153 <\/strong>stehen unter dem Motto \u00e2\u20ac\u017eVerstehen und verstanden werden\u00e2\u20ac\u0153. Die unterhaltsamen Texte sind Momentaufnahmen aus dem Schulalltag und gleichzeitig stehen sie stellvertretend f\u00fcr stets wiederkehrende Situationen und Begegnungen. Hier ein Beispiel:<\/p>\n<blockquote><p><strong>2. Klasse<\/strong><br \/>\nDie Katze war das Thema in den letzten Stunden.<\/p>\n<p>Nun will der Lehrer die Wahrnehmungsf\u00e4higkeit<br \/>\nund das Wissen der Kinder \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Er gibt ihnen ein Arbeitsblatt, auf dem eine Katze<br \/>\nabgebildet ist \u00e2\u20ac\u201c ohne Schwanz.<\/p>\n<p>Darunter die Frage:<br \/>\nWas fehlt der Katze?<\/p>\n<p>26 Kinder notieren ihre Antwort auf das Blatt,<br \/>\n25 davon schreiben: ein Schwanz.<\/p>\n<p>Marlies jedoch hat geschrieben:<br \/>\nein Sch\u00e4lchen Milch.<\/p>\n<p>Als sie es vorliest, lacht niemand.<\/p>\n<p>Ein kollektives Nachdenken h\u00e4ngt im Raum.<\/p>\n<p>Nicht einmal der Lehrer hat diese Antwort erwartet.<br \/>\n* * * * * * * * * *<br \/>\n<strong>Die Welt der Menschen<br \/>\nist voller Wahrnehmungen,<br \/>\nIdeen, Fantasien und Deutungen.<br \/>\nAuch die Welt in der Schule\u00e2\u20ac\u00a6 (S. 10)<br \/>\n<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Miller fordert die Lehrer auf, die Vielfalt des Denkens, der Wahrnehmung, der Erfahrung und Empfindungen\u00a0 von Sch\u00fclern zuzulassen und als Bereicherung zu begreifen. Der erfahrene Autor p\u00e4dagogischer B\u00fccher und Hefte\u00a0 erz\u00e4hlt jedoch auch schlimme Geschichten von zynischen Lehrern. Hier Pauls Erlebnis:<\/p>\n<blockquote><p><strong>2. Klasse<\/strong><br \/>\nDer achtj\u00e4hrige Paul gibt sich gro\u00dfe M\u00fche<br \/>\nbeim Schreiben.<\/p>\n<p>Seine Zunge spitzt durch die Zahnreihe,<br \/>\nsein Kopf h\u00e4ngt \u00fcber dem Blatt Papier,<br \/>\nseine Nase ist fast auf gleicher H\u00f6he<br \/>\nwie sein Schreibstift.<\/p>\n<p>Mehrmals geht der Lehrer an ihm vorbei,<br \/>\nsieht nur seine falsch geschriebenen W\u00f6rter<br \/>\nund verbessert sie m\u00fcndlich,<br \/>\nstreng in der Stimme.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Runde bemerkt er,<br \/>\nwie Paul vor sich hin schluchzt \u00e2\u20ac\u201c<br \/>\nund sagt darauf zu ihm:<\/p>\n<p>Musst nicht heulen,<br \/>\nes lohnt sich bei dir sowieso nicht.<br \/>\n* * * * * * * * * *<br \/>\n<strong>Wie es wohl Pauls Seele durch<br \/>\ndiesen verbalen Killer ergeht? (S.12)<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist so fies. Aber wer kennt nicht diese gemeinen, verletzenden Spr\u00fcche von Lehrern, die einem ewig im Ged\u00e4chtnis bleiben? Sie haben halt so tief getroffen. Und dagegen schreibt Miller an, er m\u00f6chte eine andere, eine menschlichere Schule. Er erz\u00e4hlt Geschichten aus allen Altersstufen und jede f\u00fcr sich regt zum Nachdenken an.<\/p>\n<p>Von Sch\u00fclern, die sich nicht alles gefallen lassen, handelt diese Geschichte:<\/p>\n<blockquote><p><strong>12. Klasse<\/strong><br \/>\nKeine Frage, als Fachmann f\u00fcr Deutsch und Englisch ist<br \/>\nHerr O. Experte.<br \/>\nAls Lehrer ist er gef\u00fcrchtet \u00e2\u20ac\u201c und seinen ironischen und<br \/>\nabf\u00e4lligen Bemerkungen, seinen Blo\u00dfstellungen ist<br \/>\nniemand gewachsen.<\/p>\n<p>Interventionen seitens der Schulleitung, der Eltern und<br \/>\nder Schulbeh\u00f6rde nutzen nichts. Noch immer kann er sich<br \/>\nan der Schule halten.<\/p>\n<p>Bis eines Tages die beiden Klassensprecher einen<br \/>\nexternen Beratungslehrer um Hilfe bitten\u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Wieder einmal eine Unterrichtsstunde mit Herrn O.,<br \/>\nin der er ausf\u00e4llig wird.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich stehen alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf,<br \/>\npacken ihre Sachen zusammen und verlassen schweigend<br \/>\ndas Klassenzimmer.<br \/>\n* * * * * * * * * *<br \/>\n<strong>Wenn man den anderen nicht \u00e4ndern kann,<br \/>\nso kann man sich und die Umst\u00e4nde \u00e4ndern. (S.44)<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn die Sch\u00fcler sich einig sind, dann k\u00f6nnen sie viel bewegen. Eine wichtige Erfahrung.<\/p>\n<p>Ein weiteres Kapitel widmet Reinhold Miller den <strong>Lehrerinnen und Lehrern<\/strong>. Er empfielt klare Grenzen, genaue Absprachen, Offenheit und Ehrlichkeit. Er berichtet von\u00a0 erf\u00fcllten und unerf\u00fcllbaren Erwartungen. Im Umgang mit Antipathien von Lehrern gegen\u00fcber Sch\u00fclern l\u00e4\u00dft er eine Lehrerin das &#8218;Umdeuten&#8216; vorschlagen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>XIV<\/strong><br \/>\nIch hab ein paar in der Klasse,<br \/>\ndie sind mir so richtig unsympathisch,<br \/>\nst\u00f6hnt Frau L.<br \/>\nWas soll ich blo\u00df mit denen anfangen?<\/p>\n<p>Bewertungen \u00e4ndern und umdeuten,<br \/>\nmeint daraufhin eine Kollegin.<\/p>\n<p>Und wie mache ich das?<\/p>\n<p>Indem du hinter die unsympathischen Verhaltensweisen<br \/>\nguckst:<br \/>\nHinter der \u00dcberheblichkeit vielleicht die Unsicherheit<br \/>\nsiehst,<br \/>\nhinter der Arroganz vielleicht die Hilflosigkeit,<br \/>\nhinter der S\u00fcffisanz vielleicht die eine oder andere Angst,<br \/>\nhinter der Kaltschn\u00e4uzigkeit die Not\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\n* * * * * * * * * *<br \/>\n<strong>Umdeuten bringt Verstehen,<br \/>\nVerstehen erleichtert den Zugang,<br \/>\nZug\u00e4nge er\u00f6ffnen Begegnungen. (S.63)<br \/>\n<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Der letzte Teil der Schulgeschichten handelt von <strong>M\u00fcttern und V\u00e4tern<\/strong>. Es gelingt Miller in wenigen kurzen Texten, einen ganzen F\u00e4cher von Problemen im Verh\u00e4ltnis von Eltern auf der einen und Lehrern\/Schule auf der anderen Seite zu entfalten:<br \/>\nDie Angst des Deutschlehrers vor dem Vater mit Germanistikprofessur, die Angst der Eltern vor dem Scheitern der eigenen Kinder. Miller nennt jedoch auch Beispiele f\u00fcr Offenheit: Ein qualifizierter Vater bietet sich an, Vertretungsunterricht zu erteilen und &#8211; was fast noch erstaunlicher ist &#8211; es kommt dazu.<\/p>\n<p>In der folgenden Geschichte geht es um \u00c4ngste,\u00a0 die Eltern verstummen lassen:<\/p>\n<blockquote><p><strong>IV<\/strong><br \/>\nWieder einmal gibt es Beschwerden in der 6. Klasse<br \/>\n\u00fcber einen Lehrer.<\/p>\n<p>Vor dem Elternabend findet ein heftiger Disput statt.<br \/>\nW\u00e4hrend der Versammlung wird \u00fcber alles M\u00f6gliche<br \/>\ngesprochen, nur nicht \u00fcber den Konflikt.<br \/>\nAnscheinend wagt es niemand von den Eltern,<br \/>\ndas Thema zur Sprache zu bringen.<\/p>\n<p>Einem Freund gegen\u00fcber \u00e4u\u00dfern sich die<br \/>\nElternvertreter:<\/p>\n<p>Wir haben Angst, dass der Lehrer unsere Kritik<br \/>\nin den falschen Hals bekommt und seinen \u00c4rger<br \/>\ndann an unseren Kindern ausl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das war doch fr\u00fcher bei uns auch so<br \/>\nund ist heute nicht anders.<br \/>\n* * * * * * * * * *<br \/>\n<strong>Die Angst der Eltern vor den Lehrern,<br \/>\ndie Angst der Lehrer vor den Eltern:<br \/>\nDie gemeinsamen \u00c4ngste<br \/>\nals Gespr\u00e4chsanlass! (?)<br \/>\n(S.75)<br \/>\n<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Mein Fazit: Die Geschichten von Reinhold Miller geben viel Stoff zum Nachdenken und sie k\u00f6nnen enorm ermutigen. In Zeiten, in denen an den Schulen das Wort P\u00e4dagogik\u00a0 durch Begriffe wie Qualit\u00e4tsanalyse, Qualit\u00e4tsmanagement, Kompetenzerwerb und Controlling ersetzt wird, ist es\u00a0 erfrischend und motivierend Texte zu lesen, die wieder die dort agierenden Menschen und ihr Miteinander in den Mittelpunkt stellen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Brosch\u00fcre enth\u00e4lt zahlreiche kurzweilige und bewegende Geschichten, sodass alle an Schule Interessierten dort Anregungen finden k\u00f6nnen. Eine sehr empfehlenswerte Lekt\u00fcre f\u00fcr Sch\u00fclerInnen, LehrerInnen, M\u00fctter und V\u00e4ter.<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n<\/strong>Verfasser Dr. Reinhold Miller ist Autor zahlreicher B\u00fccher, Beziehungsdidaktiker, Lehrerfortbildner, Schulberater, Kommunikationstrainer und Coach.<\/p>\n<p>Die Brosch\u00fcre \u00e2\u20ac\u017eDa drin ist es mir zu laut! Schulgeschichten\u00e2\u20ac\u0153 kostet<br \/>\n\u00e2\u201a\u00ac 5,- je Expl. (zzgl. Versand) und kann bestellt werden bei:<\/p>\n<p>Bundesverband Aktion Humane Schule e.V.<br \/>\nRathausplatz 8 \u00e2\u20ac\u201c 53859 Niederkassel<br \/>\nE-Mail: ahs@aktion-humane-schule.de<br \/>\nTel.: 0 22 08 \/ 90 96 89, Fax: 90 99 43<br \/>\nInternet: <a href=\"http:\/\/www.aktion-humane-schule.de\/\" target=\"_blank\">www.aktion-humane-schule.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00e2\u20ac\u017eDa drin ist es mir zu laut!\u00e2\u20ac\u0153 hei\u00dft die 84-seitige Brosch\u00fcre mit Schulgeschichten, erz\u00e4hlt von Reinhold Miller.\u00a0 Der Autor ist pensionierter, passionierter und promovierter P\u00e4dagoge und er berichtet aus dem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/rezension-da-drin-ist-es-mir-zu-laut-schulgeschichten-von-reinhold-muller\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRezension: &#8218;Da drin ist es mir zu laut!&#8216; Schulgeschichten von Reinhold Miller\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[1664,3403,3401,3404],"class_list":["post-16414","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-bildung-und-schule","tag-detlef-trabert","tag-padagogik","tag-reinhold-miller","tag-schulgeschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16414"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16414\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}