{"id":16013,"date":"2012-01-02T21:53:10","date_gmt":"2012-01-02T20:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=16013"},"modified":"2020-01-18T23:13:42","modified_gmt":"2020-01-18T22:13:42","slug":"california-here-i-come-reisebericht-teil-ix-los-angeles-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/california-here-i-come-reisebericht-teil-ix-los-angeles-teil-1\/","title":{"rendered":"California here I come: Reisebericht Teil IX &#8211; Los Angeles, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><em>Unser <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autor<\/a> berichtet von seiner Fahrt durch Kalifornien. Heute streift er mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fu\u00df durch die Stra\u00dfen von\u00a0 Los Angeles.<\/em><\/p>\n<p><strong>Zum ersten Mal begegnete ich L.A. zuf\u00e4llig, einige Tage zuvor, auf meinem Weg vom Joshua Tree Park nach Westen<\/strong>, als ich Santa Barbara besuchen wollte, da ich dort die &#8222;Villa Aurora&#8220; des Emigranten Lionel Feuchtwanger aus dem Ged\u00e4chtnis vermutete. Mein Ged\u00e4chtnis trog und war mit Santa Monica \u00fcber Kreuz gegangen, weshalb ich weiter nach Norden die Big Sur hochzog.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16012\" aria-describedby=\"caption-attachment-16012\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16012\" title=\"downtownla\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/webdowntownla.jpg\" alt=\"webdowntownla\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/webdowntownla.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/webdowntownla-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16012\" class=\"wp-caption-text\">Downtown Los Angeles, einmal vorteilhaft erwischt (fotos: christopher weber)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Bei der Anfahrt nach L.A.<\/strong> vor vier Tagen, um es zu umrunden, verpasste ich die Abfahrt, folgte dem Schild nach Hollywood und aus dem str\u00f6menden Regen \u00fcber dem Stau sch\u00e4lte sich schemenhaft ein n\u00e4chtliches Downtown L.A. heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Es sieht nichtssagend aus<\/strong><br \/>\nErst einmal glaubt man gar nicht, dort zu sein, worum so viele Tr\u00e4ume kreisen, nachdem die US-Amerikaner die Herzen der westlichen Welt mit ihrer Filmindustrie erobert haben. Denn es sieht nichtssagend aus; man fasst gar nicht, im Zentrum einer Stadt mit zehn Millionen und mehr Einwohnern zu sein, sondern verortet sich auf dem Ruhrschnellweg bei Duisburg.<\/p>\n<p><strong>Wolfgang Emmerichs apokalyptischem Drama<\/strong><br \/>\nPerplex lugt man hin\u00fcber zum Turm und ja, jetzt erkennt man ihn aus Wolfgang Emmerichs apokalyptischem Drama, in dem Wirbelst\u00fcrme diesen Bankenturm mit dem rot-blauen Logo der American Bank auf Bunker Hill Downtown hinweggefegt haben. Ansonsten sieht man nicht viel mehr als ein typisches Autobahnkreuz tief im Westen im Ruhrgebiet, aber ohne viel Kultur oder etwa Tradition wie in Alteuropa, ne?, wie es das hier halt im Westen der USA nicht gibt, is&#8216; ja alles \u00e2\u20ac\u017eCultureless West\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>William S. Burroughs&#8216; \u00e2\u20ac\u017eNaked Lunch\u00e2\u20ac\u0153<\/strong><br \/>\nDie zweite Begegnung mit LA geschah am hellichten Tag. Am 6. Januar entstieg ich an der Union Square Station dem Greyhound Bus von Bakersfield kommend, nachdem ich geschlagene f\u00fcnf Stunden seit Reiseantritt mit der Eisenbahn AMTRAK von Merced aus William S. Burroughs&#8216; \u00e2\u20ac\u017eNaked Lunch\u00e2\u20ac\u0153 gelesen hatte. Nach der \u00fcblen Lekt\u00fcre benebelt und bet\u00e4ubt, taumelte ich aus der Bust\u00fcr Richtung Gep\u00e4ckausgabe und erkannte meine Tasche eine geraume Weile nicht wieder, so offensichtlich hatte der Lesestoff angeschlagen.<\/p>\n<p><strong>Hochh\u00e4user Marke Duisburg<\/strong><br \/>\nNach einem gemeinsamen Gel\u00e4chter mit dem Busfahrer, der mir sagte, ich w\u00e4re ja ein alter Mann, schulterte ich die Tasche und schlenderte aus dem Busbahnhof in den Bahnhof von Eisenbahn und Metro und von dort zum Hauptausgang. Die Plaza davor sah nett lateinamerikanisch aus, dahinter diese Versammlung einiger Hochh\u00e4user Marke Duisburg und &#8230; sonst nichts weiter. Daraufhin zog ich es vor, die U-Bahn zu besuchen und mich standesgem\u00e4\u00df in Hollywood einzuquartieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_16014\" aria-describedby=\"caption-attachment-16014\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16014\" title=\"lahollywood\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/weblahollywood.jpg\" alt=\"lahollywood\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/weblahollywood.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/weblahollywood-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16014\" class=\"wp-caption-text\">Jeder in den 1970er Jahren sanierte Buchstabe kostete privat gespendete 28.000 US-Dollar<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>H<\/strong><strong>ollywood am gleichbenamten Boulevard mischt das Amsterdamer Rotlichtviertel mit einer lichterfunkelnden Mall und ist so interessant wie die Oberhausener Eventmeile \u00e2\u20ac\u017eCentro\u00e2\u20ac\u0153.<\/strong> Wer&#8217;s mag, kommt auf seine Kosten. Im Gro\u00dfen und Ganzen ist der Boulevard, wo im Kodak Theatre j\u00e4hrlich im M\u00e4rz die Oscars vergeben werden und das auf alt\u00e4gyptisch getrimmt ist, ziemlich heruntergekommen so wie in Essen hinterm Europaplatz die Fortsetzung der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone mit anderen Mitteln, n\u00e4mlich mit Kiff-Shops, Tattoo-Bude und Hundekacke statt Kunst und Kommerz.<\/p>\n<p><strong>Der letzte Fu\u00dfg\u00e4nger<\/strong><br \/>\nDer Weg von dort, wo der Boulevard beginnt, n\u00e4mlich vom Westrand der Innenstadt, oder was man so daf\u00fcr h\u00e4lt, nach Hollywood spricht B\u00e4nde, wenn man ihn per pedes zur\u00fccklegt: Auf einem der eigentlich ber\u00fchmtesten Stra\u00dfen der USA begegnet man keinem, keinem einzigen Passanten. Man ist allein, w\u00e4hrend im Minutentakt &#8218;mal ein Auto gem\u00e4chlich vorbeirollt.<\/p>\n<p><strong>Die perfekte Kleingartenschreberkolonie und Christa Wolf<\/strong><br \/>\nAlles erinnert stark an eine Kleinstadt, die dabei ist einzuschlafen. Die einst\u00f6ckigen H\u00e4user davor wiederum geben die perfekte Kleingartenschreberkolonie ab. Die war mir bereits in manchen Gangsterfilmen \u00fcber South Central Los Angeles, dort an Originalschaupl\u00e4tzen aufgenommen, aufgefallen und best\u00e4tigte sich hier auf \u00fcberraschende Weise. Leider wohl verga\u00df ich den Schutz geistigen Erzeugnisses anzumelden. Ein Kollege aus Los Angeles, der gerade Christa Wolfs neuen Roman \u00e2\u20ac\u017eStadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud\u00e2\u20ac\u0153 (2010) gelesen hatte, schaute mich an jenem Abend im Fischrestaurant in San Jos\u00e9\/ Costa Rica erstaunt an, nachdem ich ihm gesagt hatte, noch nicht in L.A. gewesen zu sein, mir die Stadt aber wie eine \u00fcberdimensionierte Kleingartenschreberkolonie vorstelle. Diese Metapher habe eben Christa Wolf in ihrem neuen Roman gebraucht, ob ich sie von dort zitiert habe, was ich wahrheitsgem\u00e4\u00df verneinte &#8211; den Roman werde ich wohl bald lesen; er solle meinem Kollegen nach ganz gut sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>L.A. wird auch mit zunehmender Dauer des Umherirrens nirgends anders<\/strong>, ein Siedlungsbrei ohne Kopf, eine Ausgeburt von Autoparkplatz im Ambiente des Kleinstadtindustrieviertels. Schon bei der Einfahrt nach L.A., als ich mit benommenem Kopf in den gesundheitsp\u00e4dagogischen Ausf\u00fchrungen zum Richtungen Heroinentzug gem\u00e4\u00df Burroughs herumschaukelte, fielen diese gr\u00fcn-wuchernden und recht gro\u00dfz\u00fcgig bebauten H\u00fcgel auf, die sich von Nordwesten nach S\u00fcden zur Innenstadt hin ziehen. Flach ist auch dort das Stadtbild und erinnert eben an die Kleingartenkolonie am Tegeler Damm in Berlin oder nat\u00fcrlich an die in Bochum-S\u00fcd. &#8211; \u00e2\u20ac\u017eJunge, Junge!\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<figure id=\"attachment_16017\" aria-describedby=\"caption-attachment-16017\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16017\" title=\"lainnenstadr\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/lainnenstadr.jpg\" alt=\"lainnenstadr\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/lainnenstadr.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/lainnenstadr-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16017\" class=\"wp-caption-text\">Los Angeles Innenstadt nach Osten gesehen<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Und das hier ist das Paradies eines jeden Ami-Traums.<\/strong> Dieser Eindruck, dass L.A. im Prinzip zu gro\u00dffl\u00e4chig angelegt wurde, best\u00e4tigt sich in Folge des Aufenthalts auf Schritt und Tritt. W\u00e4hrend der Lateinamerikaner es geballt und gewuselt bevorzugt &#8211; so verlassen etwa Argentiniens Hauptst\u00e4dter, die Porte\u00f1os, Buenos Aires nur dann, wenn sie alle in der Ferienzeit im Januar zusammen zum Strand vierhundert Kilometer weiter \u00f6stlich nach La Plata fahren, wo sie sich dann \u00f6lsardinengleich am Strand gestapelt erholen; oder so kommt der mexikanische Hauptst\u00e4dter, der Chilango, in den Schluchten von Mexiko-Stadt offenbar ohne motorisiertes Bad in der Menge, also Stau und Verkehrsinfarkt, gar nicht zurecht &#8211; w\u00e4hrend also die Ballung zur Masse in Lateinamerika die Menschen zum \u00f6ffentlichen Gl\u00fcck berauscht, ist es hier die k\u00fchle Distanz des Garten-, gar J\u00e4gerzauns seiner Kleingartenschreberkolonie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Autor berichtet von seiner Fahrt durch Kalifornien. 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