{"id":15092,"date":"2011-11-28T20:24:28","date_gmt":"2011-11-28T19:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=15092"},"modified":"2011-11-28T20:25:08","modified_gmt":"2011-11-28T19:25:08","slug":"internationale-buchmesse-guadalajara-deutschland-zu-gast-marion-bei-den-mexis-teil-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/internationale-buchmesse-guadalajara-deutschland-zu-gast-marion-bei-den-mexis-teil-19\/","title":{"rendered":"Internationale Buchmesse Guadalajara: Deutschland ist zu Gast. Marion ist bei den Mexis, Teil 19."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_15094\" aria-describedby=\"caption-attachment-15094\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1904.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15094\" title=\"teil1904\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1904.jpg\" alt=\"Ganz Deutschland ist ein verschneiter M\u00e4rchenwald. Jedenfalls pr\u00e4sentiert sich so der deutsche Pavillon auf der Buchmesse. Seltsamerweise wurde dort auch die Klimaanlage etwas weiter runter gedreht. Wahrscheinlich denkt der Mexikaner, dass es der Deutsche lieber etwas k\u00fchl mag.\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1904.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1904-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15094\" class=\"wp-caption-text\">Ganz Deutschland ist ein verschneiter M\u00e4rchenwald. Jedenfalls pr\u00e4sentiert sich so der deutsche Pavillon auf der Buchmesse. Seltsamerweise wurde dort auch die Klimaanlage etwas weiter runter gedreht. Wahrscheinlich denkt der Mexikaner, dass es der Deutsche lieber etwas k\u00fchl mag. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dieser Artikel ist der <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">19. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute erfahren wir etwas \u00fcber die Buchmesse in Guadalajara, Herta M\u00fcller und Vargas Llosa, sowie die notorischen Morde in der Mitte der mexikanischen Gesellschaft. Viel Spa\u00df beim Lesen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Hola a todos! <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ganz Mexiko sinniert dieser Tage \u00fcber den Geist \u00e2\u20ac\u017eAlemanias\u00e2\u20ac\u0153 (da wird aus \u00e2\u20ac\u017ecorazon\u00e2\u20ac\u0153 auch schon einmal ein \u00e2\u20ac\u017eHertz\u00e2\u20ac\u0153 und Peter Handke und Thomas Bernhard werden auch einmal ganz schnell eingeb\u00fcrgert) \u00e2\u20ac\u201c ganz Mexiko? Wohl nicht ganz, obwohl die hiesigen Feuilletonisten uns das weismachen wollen.<\/strong><\/p>\n<p>Zum 25. Mal findet <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/386334\/\" target=\"_blank\">in diesen Tagen in Guadalajara die internationale Buchmesse<\/a> statt und Gastland ist dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland. Deswegen findet man in den Zeitungen immer mal wieder Essays \u00fcber dieses Land in Europa, das die meisten hier mit Volkswagen in Verbindung bringen. Oder \u00fcberhaupt mit wirtschaftlicher St\u00e4rke. Das ist eben auch das Land der Dichter und Denker ist, ist hier zwar nicht g\u00e4nzlich unbekannt, geht aber wohl im allt\u00e4glichen \u00dcberlebenskampf der meisten Mexikaner unter.<\/p>\n<p><strong>Morde in der N\u00e4he der Messe<\/strong><br \/>\nDiesen allt\u00e4glichen \u00dcberlebenskampf haben am letzten Donnerstag 26 junge M\u00e4nner nicht \u00fcberstanden. Sie wurden in drei Lieferwagen auf einer Schnellstra\u00dfe gefunden \u00e2\u20ac\u201c 600 Meter von der Expo Guadajalara entfernt. Genau dort, wo die Buchmesse stattfindet. Bekannt haben sich zu der Tat die Zetas, einer der vorherrschenden Narcotrafico-Gruppe Mexikos. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Veranstaltung und der Tat gibt? Noch wird mit den Schultern gezuckt.<\/p>\n<p>Jedenfalls hat Guadajalara es damit geschafft landesweit ins Zentrum des Interesses zu r\u00fccken. Die \u00f6rtlichen Feuilletonisten fragen auch schon bang: sind wir nach Ciudad de Juarez, Veracruz und Acapulco die n\u00e4chsten?<\/p>\n<p><strong>Die Messe mit ber\u00fchmten Namen<\/strong><br \/>\nAber erst einmal wird das Buch hochgelobt und mit ihm seine Autoren. Und hier vor Ort sind auch Namen, die sich sehen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15093\" aria-describedby=\"caption-attachment-15093\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1901.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15093\" title=\"teil1901\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1901.jpg\" alt=\"Lektion in K\u00f6rpersprache, Teil 1: Sehen so Menschen aus, die sich etwas zu sagen haben? - Die beiden Nobelpreistr\u00e4ger Mario Vargas Llosa und Herta M\u00fcller auf dem Podium. (fotos: koerdt)\" width=\"512\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1901.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1901-300x193.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15093\" class=\"wp-caption-text\">Lektion in K\u00f6rpersprache, Teil 1: Sehen so Menschen aus, die sich etwas zu sagen haben? - Die beiden Nobelpreistr\u00e4ger Mario Vargas Llosa und Herta M\u00fcller auf dem Podium. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt sollte am Sonntag ein Gespr\u00e4ch zwischen den beiden Nobelpreistr\u00e4gern Herta M\u00fcller (Deutschland) und Mario Vargas Llosa (Peru) sein.<\/strong> Warum auch Moderator Juan Cruz mit auf dem Podium sa\u00df, bleibt schleierhaft. Denn das Publikum erlebte ein v\u00f6llig moderationsfreies Gespr\u00e4ch, in dem die beiden Gespr\u00e4chspartner sich eigentlich nichts zu sagen hatten.<\/p>\n<p><strong>Diese Moderationsfreiheit wurde auch durch die Aussage Herta M\u00fcllers unterst\u00fctzt:<\/strong> \u00e2\u20ac\u017eIch mache lange Antworten, um mich zu sch\u00fctzen.\u00e2\u20ac\u0153 Eben um sich vor den teils sinnlosen Fragen zu sch\u00fctzen. Was ihr auch in weiten Strecken gelang. Sie konnte so ausf\u00fchren, dass Lesen die Besch\u00e4ftigung war, die ihr in ihrem Leben in der Diktatur in Rum\u00e4nien Halt gab. Dass das Lesen f\u00fcr sie existentiell sei.<\/p>\n<p><strong>Vargas Llosa<\/strong> hingegen sah im Akt des Lesens etwas, das stimuliert, erfreut und Vergn\u00fcgen verbreitet.<\/p>\n<p><strong>Auch das Schreiben wird bei Herta M\u00fcller etwas Existentielles.<\/strong> Vor dem Hintergrund in einem totalit\u00e4ren Systems zu leben, hat sie sich oft gefragt, ob sie dazu legitimiert sei, zu lesen und zu schreiben, wenn um sie herum die Menschen bedroht und vernichtet werden. H\u00e4tte sie nicht lieber ihre Kraft darauf verwenden m\u00fcssen, Widerstand zu leisten. Fragen, die offenbar die Autorin auch 22 Jahre nach dem Ende der Ceau\u00c8\u2122escu \u00e2\u20ac\u201cDiktatur bewegen und nicht loslassen.<\/p>\n<p><strong>Auch hier betrachtet Vargas Llosa<\/strong> die Bedeutung des Schreibens vom anderen Ende des Standpunktes: Schreiben soll das Leben zum Besseren ver\u00e4ndern. Schreiben sei keine luxuri\u00f6se Aktivit\u00e4t. Es helfe zu verstehen, was z.B. Ungerechtigkeit sei.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcller und Llosa: zwei Menschen &#8211; kein Dialog<\/strong><br \/>\nAls Zuschauer beschlich einen so langsam das Gef\u00fchl, dass dort zwei Menschen sitzen, die nicht in einen Dialog treten k\u00f6nnen, da ihr Blick auf die Welt nicht aufeinander gerichtet ist. Da das Gespr\u00e4ch thematisch nicht gelenkt wurde, kam es auch immer wieder in keinem Zusammenhang stehenden Gedankenspr\u00fcngen: Herta M\u00fcller sprach von der Funktion der Erinnerung und verwies auf die Autoren Celan und Sempr\u00fan, Vargas Llosa sprach in seinem darauffolgenden Beitrag vom Rassismus und Vorurteilen in Lateinamerika, woraufhin Herta M\u00fcller das Stichwort Rassismus auffing und von der nationalsozialistischen Untergrundszene in Deutschland berichtete. \u00dcber Ostdeutschland kam sie dann auf das Thema Emigration.<\/p>\n<p><strong>Nichtiges<\/strong><br \/>\nAb diesem Punkt h\u00e4tte es wieder interessant werden k\u00f6nnen. Besonders wenn man in einem Land wie Mexiko ist. Doch hier versagte der Moderator v\u00f6llig und fragte, was der im Juni verstorbene Autor Jorge Sempr\u00fan den beiden Nobelpreistr\u00e4gern bedeutet. Jedenfalls hier fanden sie sich wieder: beide sch\u00e4tzen den verstorbenen Spanier sehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15096\" aria-describedby=\"caption-attachment-15096\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15096\" title=\"teil1902\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1902.jpg\" alt=\"Sieht so moderne K\u00fcnstlerhaltung aus? - Der Spoken Word-Performer Bas B\u00f6ttcher in seiner Textbox. Der Tokio Hotel-Fanclub aus Jalisco war jedenfalls total begeistert.\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1902.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/teil1902-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15096\" class=\"wp-caption-text\">Sieht so moderne K\u00fcnstlerhaltung aus? - Der Spoken Word-Performer Bas B\u00f6ttcher in seiner Textbox. Der Tokio Hotel-Fanclub aus Jalisco war jedenfalls total begeistert.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mexikanischer wurde dann wenigstens die Folgeveranstaltung.<\/strong> Da trat n\u00e4mlich Marcelo Ebrard, Regierungschef des Bundesdistrikts Mexiko-Stadt, auf, der in der letzten Woche mit seiner Pr\u00e4sidentschaftskandidatur gescheitert ist. Ein Lehrst\u00fcck der Rhetorik im Caudillo-Stil \u00e2\u20ac\u201c warum der Saal tobte und applaudierte, erschloss sich dem ausl\u00e4ndischen Beobachter nicht ganz. Schlie\u00dflich sind die letzten Schlagzeilen, die im Kopf h\u00e4ngengeblieben sind folgende:<\/p>\n<p><strong>Ausbau der Stadtautobahn<\/strong> durch eine zweite Etage (was zur Folge hat, dass morgens der Berufsverkehr nun regelm\u00e4\u00dfig zusammenbricht und nicht nur das: vor einigen Wochen brach auch ein Teilst\u00fcck des Br\u00fcckenaufsatzes ab und knallte auf die untere Fahrbahn\/ zum Gl\u00fcck geschah dies nachts um 4 Uhr, so dass es keine Personensch\u00e4den gab) und seine <strong>Hochzeit mit der ehemaligen Botschafterin Honduras in Mexiko<\/strong> (bei der man sich vor allen Dingen zwei Fragen stellt: wie wird man mit 31 Jahren Botschafterin eines Landes und warum l\u00e4sst man sich eine so <strong>grotesk gro\u00dfe Oberweite basteln<\/strong>, die in keiner Relation zum Rest des K\u00f6rpers steht?).<\/p>\n<p><strong>Mexiko hat viele Probleme<\/strong><br \/>\nMan erschrak kurz, denn Ebrard sprach eine Wahrheit aus (was dem Mexikaner allgemeinhin ja nicht so oft passiert): Mexiko hat viele Probleme. Um dann \u00e2\u20ac\u017each nee\u00e2\u20ac\u0153 zu denken. Ja, und nun? Ebrard wusste die Wunderformel: wir brauchen mehr Erziehung und Bildung. Danke und tsch\u00fcss.<\/p>\n<p><strong>Auch in Mexiko: Bildung schlecht<\/strong><br \/>\nWoher dieses \u00e2\u20ac\u017emehr\u00e2\u20ac\u0153 kommen soll, lie\u00df er offen. Vor zwei Wochen wurde eine Studie ver\u00f6ffentlicht, wonach die Mathematikkenntnisse der mexikanischen Sch\u00fcler weltweit zu den schlechtesten geh\u00f6ren. Auch andere Dinge lassen einen staunen: so m\u00fcssen Grundsch\u00fcler die Namen der wichtigsten Knochen auswendig lernen, kennen aber nicht die Himmelsrichtungen. So steht es schon seit ewigen Zeiten in den Lehrpl\u00e4nen. Etwas, das ich zun\u00e4chst nicht glauben konnte, was ich aber selbst erfahren habe, als ich in dem Deutschkurs, den ich gab, so sch\u00f6ne Fragen wie \u00e2\u20ac\u017eWo liegt Mexiko-Stadt in Mexiko? Im Norden oder S\u00fcden?\u00e2\u20ac\u0153 stellte und mich 20 erwachsene Augen staunend anblickten.<\/p>\n<p><strong>B\u00fccher? Qui\u00e9n sabe?<\/strong><br \/>\nWas aber auch einen staunen lie\u00df: was hat dieser Auftritt eigentlich mit B\u00fcchern zu tun? Solange ich auch dar\u00fcber nachdachte, ich fand keine Antwort. Vielleicht, weil gesagt wird, dass 60 bis 70% der publizierten B\u00fccher in Mexiko ausschlie\u00dflich Unterrichtsb\u00fccher seien. Qui\u00e9n sabe?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, ich w\u00fcnsche euch allen immer wieder gute Lekt\u00fcren und nat\u00fcrlich auch, dass es euch allen gut geht!<\/p>\n<p><strong>Hasta luego,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 19. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. 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