{"id":13479,"date":"2011-08-24T19:23:06","date_gmt":"2011-08-24T18:23:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=13479"},"modified":"2011-08-24T21:41:36","modified_gmt":"2011-08-24T20:41:36","slug":"von-ciudad-mexico-in-die-usa-und-zuruck-auf-der-suche-nach-der-us-amerikanischen-mentalitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/von-ciudad-mexico-in-die-usa-und-zuruck-auf-der-suche-nach-der-us-amerikanischen-mentalitat\/","title":{"rendered":"Von Ciudad Mexico in die USA und zur\u00fcck. Auf der Suche nach der US-amerikanischen Mentalit\u00e4t."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_13481\" aria-describedby=\"caption-attachment-13481\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13481\" title=\"lt_marionusa03\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa03.jpg\" alt=\"Na ja, wenn das Wetter nicht sch\u00f6n ist, gibt es auch keine sch\u00f6nen Bildern. Aber mal was Bekanntes: die Freiheitsstatue mit der Skyline von Manatthan. Der Bildhauer Frederic Auguste Bartholdi nahm daf\u00fcr die Gesichtsz\u00fcge seiner Mutter. Die Arme allerdings sind die seiner damaligen Geliebten nachempfunden. Wenn er sie damals bereits geehelicht h\u00e4tte (was er sp\u00e4ter tat), w\u00fcrden wir vielleicht in ein anderes Antlitz blicken. (fotos: koerdt)\" width=\"512\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa03.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa03-300x151.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13481\" class=\"wp-caption-text\">Na ja, wenn das Wetter nicht sch\u00f6n ist, gibt es auch keine sch\u00f6nen Bildern. Aber mal was Bekanntes: die Freiheitsstatue mit der Skyline von Manatthan. Der Bildhauer Frederic Auguste Bartholdi nahm daf\u00fcr die Gesichtsz\u00fcge seiner Mutter. Die Arme allerdings sind die seiner damaligen Geliebten nachempfunden. Wenn er sie damals bereits geehelicht h\u00e4tte (was er sp\u00e4ter tat), w\u00fcrden wir vielleicht in ein anderes Antlitz blicken. (fotos: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dieser Artikel ist der 17. Teil <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\">einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. <\/em><em>Heute verl\u00e4sst die Autorin ihr Stammland und reist n die USA. Wir w\u00fcnschen viel Spa\u00df beim Lesen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Hola a todos!<\/strong><\/p>\n<p>Wo befindet man sich, wenn man sich Gedanken dar\u00fcber macht, ob eine gesetzliche Krankenversicherung der erste Schritt zum Sozialismus  ist und aus diesem Grunde verdammenswert sei? Nicht auf einer Zeitreise, sondern in den USA im Jahre 2011.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13485\" aria-describedby=\"caption-attachment-13485\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa01.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13485\" title=\"lt_marionusa01\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa01.jpg\" alt=\"So muss man schon aussehen, wenn man im Central Park rollerbladen will.\" width=\"246\" height=\"214\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13485\" class=\"wp-caption-text\">So muss man schon aussehen, wenn man im Central Park rollerbladen will.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieser Gedanke sowie einige weitere Eindr\u00fccke haben mir wieder einmal gezeigt, dass die US-amerikanische Mentalit\u00e4t teils befremdlich auf mich wirkt. Ich wei\u00df, ich kann den Begriff Mentalit\u00e4t nicht absolut setzen und somit auf alle US-B\u00fcrger beziehen, aber im \u00f6ffentlichen Raum spiegeln sich Dinge wider, die mich irritieren.  Zun\u00e4chst einmal die \u00f6ffentliche Erinnerung: in Washington gibt es ein Museum zur Geschichte der Indianer.<\/p>\n<p>Als ich in den ersten Raum kam, dachte ich, ich sei in Mexiko, quasi bei mir um die Ecke. Wunderbare Exponate zur Geschichte der Azteken und Maya, doch was hat das mit den Ureinwohnern des Gebietes der heutigen USA zu tun? Auch in den Stra\u00dfenbildern der St\u00e4dte sieht man sie nicht. In New York erkl\u00e4rte mir jemand, dass es sie nach wie vor auch an der Ostk\u00fcste gebe. Und nicht -wie manche denken w\u00fcrden- komplett ausgerottet worden seien. Allerdings leben sie auch hier in Reservaten (und ich hoffte, dass die sich nicht wie in Arizona und Nevada in der N\u00e4he von Atomtestgebieten befinden). Dort ist das Gl\u00fccksspiel erlaubt und damit verdienen sie heutzutage ihr Geld. Aber im \u00f6ffentlichen Raum tauchen sie nicht auf \u00e2\u20ac\u201c ihre Lobby scheint im Gegensatz zu der der Schwarzen zu schwach oder gar nicht vorhanden zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13489\" aria-describedby=\"caption-attachment-13489\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13489\" title=\"lt_marionusa06\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa06.jpg\" alt=\"Nicht das wei\u00dfe Haus, sondern der Kongress in Washington. Aber auch nicht unwichtig beim Treffen von Entscheidungen.\" width=\"512\" height=\"384\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13489\" class=\"wp-caption-text\">Nicht das Wei\u00dfe Haus, sondern der Kongress in Washington. Aber auch nicht unwichtig beim Treffen von Entscheidungen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Geschichtsverdr\u00e4ngung gibt es aber nicht nur auf diesem Gebiet: w\u00e4hrend ein Holocaustmuseum in Washington die Gr\u00e4uel der Nazis zeigt, gibt es in der N\u00e4he das Memorial zum Vietnamkrieg. Granitplatten mit unz\u00e4hligen Namen von tapferen US-Soldaten. Hinter jedem Name steckt eine Geschichte? Doch welche \u00e2\u20ac\u201c die bleibt verborgen. Denn es gibt kein Museum, das diese Geschichten erz\u00e4hlt. Eine kritische Auseinandersetzung  sucht man auch vergebens im 09\/11-Memorialmuseum in New York. Bedr\u00fcckend sind die Exponate, Tondokumente und Bilder \u00e2\u20ac\u201c doch welche politischen Entscheidungen daraus folgten, die Darstellung bleibt aus. Vielleicht ist auch etwas viel verlangt, den Leuten die j\u00fcngste Vergangenheit sowie die Gegenwart gegen\u00fcber zu stellen.<\/p>\n<p>Eigentlich habe ich mich gefragt, ob es \u00fcberhaupt angebracht sei, diesmal von \u00e2\u20ac\u017e\u00e2\u20ac\u00a6bei den Mexis\u00e2\u20ac\u0153 zu sprechen, da ich doch nun drei Wochen in den USA unterwegs gewesen bin (abgesehen davon, glaube ich, dass fast jeder bereits einmal in den Staaten war und von dort mit seinen eigenen Eindr\u00fccken zur\u00fcckgekehrt ist). Aber vielleicht passt es doch, da ich in New Yorker  Caf\u00e9s fast nur mexikanische Angestellte gesehen habe  und stellenweise besser mit Spanisch als mit Englisch durchkam. Doch nicht nur Mexikaner sind auf dem Gebiet der Dienstleistung sichtbar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13486\" aria-describedby=\"caption-attachment-13486\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13486\" title=\"lt_marionusa02\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa02.jpg\" alt=\"Kein Scherz, so sieht es in der Bronx aus - jedenfalls im Botanischem Garten. Hier kann man sehen, wie New York mal urspr\u00fcnglich ausgesehen hat: eine gro\u00dfe bewaldete Fl\u00e4che.\" width=\"512\" height=\"384\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13486\" class=\"wp-caption-text\">Kein Scherz, so sieht es in der Bronx aus - jedenfalls im Botanischem Garten. Hier kann man sehen, wie New York mal urspr\u00fcnglich ausgesehen hat: eine gro\u00dfe bewaldete Fl\u00e4che.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Neben Schwarzen sind es auch andere Menschen aus Lateinamerika. Aber in einem kleineren Ort haben wir auch Ausnahmen getroffen. Wir haben einige Tage in Winthrop in der N\u00e4he von Boston \u00fcbernachtet und morgens immer dasselbe Caf\u00e9 aufgesucht. Dort wurden wir am dritten Tag von einer Frau mit \u00e2\u20ac\u017eGuten Morgen\u00e2\u20ac\u0153 begr\u00fc\u00dft. Sie kam aus Albanien, ihr Bruder lebe in Deutschland, aber er bekomme dort keinen Pass. So wisse er nicht, wann er wieder nach Albanien zur\u00fcck m\u00fcsse. So war auch einmal kurz in Deutschland. Aber wie gesagt, die Deutschen geben keine P\u00e4sse. Hier in den USA sei es viel einfacher. Aber sonst? Die USA seien gut f\u00fcr \u00e2\u20ac\u017emoney\u00e2\u20ac\u0153. Mehr nicht. Sie zuckte die Schultern\u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Nach wie vor scheinen die Vereinigten Staaten der potenzielle Sehnsuchtsort zu sein: vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r \u00e2\u20ac\u201c die Illusion scheint immer noch zu wirken. Was ich vor allen Dingen in New York sah, war ein gigantischer Niedriglohnsektor mit Migranten. Die sich wahrscheinlich nicht das Fr\u00fchst\u00fcck leisten k\u00f6nnen in dem Laden, in dem sie arbeiten.<\/p>\n<p>So krass habe ich das in den anderen Orten nicht wahrgenommen wie in New York \u00e2\u20ac\u201c aber der Eindruck blieb: einmal Tellerw\u00e4scher, immer Tellerw\u00e4scher. Und einmal Oberschicht, immer Oberschicht:  diesen Eindruck bekam ich beim Schlendern \u00fcber den Harvard Campus. Hier rekrutiert sich das Geld von einer Generation zur n\u00e4chsten. Hier werden die Posten der V\u00e4ter an die S\u00f6hne weitergereicht  und im J.F.K.-Memorialmuseum kann man sehen, wie Familiendynastien funktionieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13488\" aria-describedby=\"caption-attachment-13488\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13488\" title=\"lt_marionusa05\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa05.jpg\" alt=\"An dieser Br\u00fccke bekamen die Engl\u00e4nder das erste Mal einen auf den Detz. Die Folgen kennen wir: die damaligen dreizehn Staaten wurden unabh\u00e4ngig und schlichen sich auf den Weg zur Weltmacht. \" width=\"512\" height=\"384\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13488\" class=\"wp-caption-text\">An dieser Br\u00fccke bekamen die Engl\u00e4nder das erste Mal einen auf den Detz. Die Folgen kennen wir: die damaligen dreizehn Staaten wurden unabh\u00e4ngig und schlichen sich auf den Weg zur Weltmacht. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Etwa 40 Kilometer westlich von Boston liegt Concord \u00e2\u20ac\u201c das, wie ich aber erst hinterher erfuhr als US-amerikanisches Weimar gilt. Eben als Ort der US-amerikanischen Literaturklassik. Hier haben sich nicht nur Ralph Waldo Emerson oder Henry David Thoreau niedergelassen, sondern hier fanden auch am 19. April 1775 die ersten K\u00e4mpfe des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges zwischen den Kolonialisten und den Engl\u00e4ndern statt.  Auf einem Trail kann man die Schlacht dieses Tages abwandern, die mit einer mir kaum vorstellbaren Brutalit\u00e4t abgelaufen sein muss. Heute spaziert man durch eine Landschaft, die mich stark an Eifelw\u00e4lder erinnerte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13487\" aria-describedby=\"caption-attachment-13487\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13487\" title=\"lt_marionusa04\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa04.jpg\" alt=\"Hier sieht man eins der ersten von den Kolonialisten bewirtschafteten Felder in der N\u00e4he von Concord. Ich gebe ja zu, in der Mittelgebirgslandschaft Deutschlands sieht es nicht anders aus.\" width=\"512\" height=\"384\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13487\" class=\"wp-caption-text\">Hier sieht man eins der ersten von den Kolonialisten bewirtschafteten Felder in der N\u00e4he von Concord. Ich gebe ja zu, in der Mittelgebirgslandschaft Deutschlands sieht es nicht anders aus.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kurzum: sehr sch\u00f6n \u00e2\u20ac\u201c auch sieht man die ersten von den Kolonialisten bewirtschafteten Felder. Noch war es im 17. Jahrhundert nicht zur Ausrottung der Indianer gekommen \u00e2\u20ac\u201c im Gegenteil: die Kolonialisten waren auf ihre Hilfe angewiesen und man lebte fast ein Jahrhundert miteinander. Dass wir dort \u00fcberhaupt wandern konnten, haben wir einer \u00e4lteren Dame zu verdanken: Patty. Denn wir waren davon ausgegangen, dass es sich um einen Rundwanderweg handeln w\u00fcrde. Bei der Touristeninformation wurden wir eines besseren belehrt \u00e2\u20ac\u201c und auch, dass es keine Busverbindung zwischen Concord und Lexington (dem Zielort) gibt. Und einfach mal so 30 Kilometer wandern, dazu waren wir zu sp\u00e4t. Patty stand dort und h\u00f6rte von unserem Dilemma. Sofort bot sie uns an, mit ihrem Wagen zum Zielpunkt zu fahren. Dann k\u00f6nnten wir einfach zur\u00fcckwandern. Doch damit nicht genug: sie zeigte uns noch eine andere historische Stelle (die Northern Bridge, dort sind die ersten englischen Soldaten gestorben) und versorgte uns noch mit Wasserflaschen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13490\" aria-describedby=\"caption-attachment-13490\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13490\" title=\"lt_marionusa07\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa07.jpg\" alt=\"Harpers Ferry ist eine kleine Ortschaft in der N\u00e4he von Washington. Auch hier trug sich Geschichtliches zu: John Brown, Nachfahr englischer Einwanderer, protestierte bereits als junger Mann f\u00fcr die Abschaffung der Sklavenhaltung. Am 17. Oktober 1759 \u00fcberfiel er zusammen mit 21 M\u00e4nnern das Waffenarsenal der US-Armee in Harpers Ferry. Der geplante Aufstand scheiterte, zahlreiche Anh\u00e4nger Browns starben. Auch f\u00fcr John Brown nahm die Aktion kein gutes Ende: er wurde gefangen genommen und zwei Monate sp\u00e4ter geh\u00e4ngt. Aber dieses Ereignis wird als Auftakt zum B\u00fcrgerkrieg zwischen den Nord- und S\u00fcdstaaten genommen, der schlie\u00dflich auch die Abschaffung der Sklavenhaltung zur Folge hatte. Heute werden in Auff\u00fchrungen die Kriegsereignisse nachgestellt.\" width=\"512\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa07.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/lt_marionusa07-300x144.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13490\" class=\"wp-caption-text\">Harpers Ferry ist eine kleine Ortschaft in der N\u00e4he von Washington. Auch hier trug sich Geschichtliches zu: John Brown, Nachfahr englischer Einwanderer, protestierte bereits als junger Mann f\u00fcr die Abschaffung der Sklavenhaltung. Am 17. Oktober 1759 \u00fcberfiel er zusammen mit 21 M\u00e4nnern das Waffenarsenal der US-Armee in Harpers Ferry. Der geplante Aufstand scheiterte, zahlreiche Anh\u00e4nger Browns starben. Auch f\u00fcr John Brown nahm die Aktion kein gutes Ende: er wurde gefangen genommen und zwei Monate sp\u00e4ter geh\u00e4ngt. Aber dieses Ereignis wird als Auftakt zum B\u00fcrgerkrieg zwischen den Nord- und S\u00fcdstaaten genommen, der schlie\u00dflich auch die Abschaffung der Sklavenhaltung zur Folge hatte. Heute werden in Auff\u00fchrungen die Kriegsereignisse nachgestellt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Eindruck blieb: sie sind h\u00f6flich, hilfsbereit und freundlich \u00e2\u20ac\u201c die US-Amerikaner. Vielleicht auch noch ein Mentalit\u00e4tsunterschied.<\/p>\n<p>Warum nun doch \u00e2\u20ac\u017e\u00e2\u20ac\u00a6 bei den Mexis\u00e2\u20ac\u0153 im Titel schreibe, liegt daran, dass wir nach unserer R\u00fcckkehr sofort im mexikanischem Alltag ankamen:  wir standen im Dunkeln, denn der Elektriker unserer neuen Nachbarin hatte einfach mal unser Hauptleitungskabel im Flur durchgeschnitten. Die n\u00e4chste Unverfrorenheit kam dann von der Se\u00f1ora selbst: dieses Kabel h\u00e4tte \u00fcberhaupt nicht zu unserer Wohnung geh\u00f6rt und so h\u00e4tte sie auch das Recht gehabt es zu kappen. Erst als ein anderer Elektriker, den wir dazu gerufen hatten, ihr erkl\u00e4rte, dass das ein Trugschluss sei, wurde sie wieder schmierfreundlich. Der n\u00e4chste Schrecken kam dann auch noch: sie zieht nicht allein ein, sondern bringt auch noch kleine Kl\u00e4ffer mit. F\u00fcr die baut sie  \u00e2\u20ac\u201cohne Baugenehmigung- einen Balkon. Daf\u00fcr hat sie zur Stra\u00dfenseite erst einmal die Au\u00dfenfassade eingerissen.<\/p>\n<p>Apropos Kl\u00e4ffer: unser anderer Nachbar teilte uns vorgestern mit, dass Rodrigo Anfang September ausziehen werde. Ich sage nur: abwarten. Das n\u00e4chtliche Singen hat er \u00fcbrigens aufgegeben, daf\u00fcr hat er eine andere Besch\u00e4ftigung w\u00e4hrend dieser Tageszeit gefunden. Ich dachte zun\u00e4chst, er w\u00fcrde nun regelm\u00e4\u00dfig um ein Uhr nachts M\u00f6bel in seinem Zimmer verr\u00fccken. Dann kl\u00e4rte uns sein Vermieter auf, dass er sich eine manuelle Waschmaschine angeschafft  hat, die er um die Uhrzeit bedient.<\/p>\n<p>An meinem zweiten Arbeitstag war ich morgens mit einem Taxi auf dem Weg zur Schule. Aufgrund von Bauarbeiten sind wir nicht die mir gewohnte Strecke gefahren, sondern eine Parallelstrecke. Immer wenn ich sagte, hallo, sollen wir nicht rechts fahren, bekam ich die Antwort vom Fahrer: nee, ich kenne da eine Superstrecke. Bis sich herausstellte, dass er das Colegio mit einer Privatuni ganz im Westen der Stadt verwechselt hatte.<\/p>\n<p>Dann wurde er doch unruhig. Doch irgendwie wurschtelten wir uns zur\u00fcck, denn ich kannte mich ein wenig dort aus. Wir befanden uns n\u00e4mlich in der N\u00e4he des Krankenhauses, in dem ich im Fr\u00fchjahr operiert worden bin. Auf der Gegenseite staute sich der Verkehr kilometerlang und die Autoschlange riss auch bis zur Schule nicht ab, die ich mit einer halbst\u00fcndigen Versp\u00e4tung erreichte.<\/p>\n<p>Die Verwaltungssekret\u00e4rin wurde etwas blass, als ich mitteilte, wo ich denn gerade \u00fcberall herumgefahren sei. Ob ich sie denn gesehen h\u00e4tte? Ich: wen denn? Na, sie h\u00e4tten doch an der neuen Br\u00fccke unterhalb des Krankenhauses heute Morgen zwei M\u00e4nner dort aufgeh\u00e4ngt gefunden. Zum Gl\u00fcck habe ich das nicht gesehen, ich war in dem Moment viel zu sehr mit der Suche der richtigen Richtung besch\u00e4ftigt. Mir wurde doch etwas mulmig: ist das doch eine neue Qualit\u00e4t der Auseinandersetzung der Drogenkartelle hier. Bislang wurde der \u00f6ffentliche Raum verschont \u00e2\u20ac\u201c das gab es bislang nur im Norden (und in der Zeitschrift \u00e2\u20ac\u017eProcesso\u00e2\u20ac\u0153 \u00e2\u20ac\u201c die man unter der Fragestellung \u00e2\u20ac\u017eWas halte ich eigentlich an Bildern aus?\u00e2\u20ac\u0153 durchbl\u00e4ttern kann, wenn dort wieder die Geh\u00e4ngten und Gek\u00f6pften gezeigt werden). Und es zeigt auch, dass sich das in einem der reichsten Stadtviertel abspielt. Ich wurde hinterher auch dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass die meisten Drogenbosse dort auch leben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Da bleibe ich dort lieber mittelschichtig in Polanco \u00e2\u20ac\u201c und bilde mir weiterhin ein, dass hier so etwas nicht passieren kann.<\/p>\n<p>Ich hoffe, euch geht es allen gut und ich h\u00f6re mal wieder etwas von euch. Bis dahin!<\/p>\n<p><strong>Muchos saludos,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 17. Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute verl\u00e4sst die Autorin ihr Stammland und reist n die USA. Wir w\u00fcnschen viel &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/von-ciudad-mexico-in-die-usa-und-zuruck-auf-der-suche-nach-der-us-amerikanischen-mentalitat\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eVon Ciudad Mexico in die USA und zur\u00fcck. 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