{"id":12681,"date":"2011-06-17T23:31:43","date_gmt":"2011-06-17T22:31:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=12681"},"modified":"2014-09-27T20:44:10","modified_gmt":"2014-09-27T19:44:10","slug":"ulrich-reitz-kommt-nicht-unfallfrei-nach-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ulrich-reitz-kommt-nicht-unfallfrei-nach-berlin\/","title":{"rendered":"Ulrich Reitz kommt nicht unfallfrei nach Berlin"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_12699\" aria-describedby=\"caption-attachment-12699\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12699\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/berlin1975.jpg\" alt=\"berlin1975\" width=\"233\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/berlin1975.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/berlin1975-300x283.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 85vw, 233px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12699\" class=\"wp-caption-text\">Brandenburger Tor mit Berliner Mauer in den 1970er Jahren (archiv: Klein)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Soll man dumme Kommentare kommentieren oder soll man sie mit Nichtachtung strafen?<\/strong><\/p>\n<p>Der aktuelle Kommentar des Chefredakteurs des Online-Portals des\u00a0 Westens Ulrich Reitz hat mich erneut zum Widerspruch gereizt. Vor einiger Zeit <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=11078\" target=\"_blank\">enth\u00fcllte Herr Reitz anl\u00e4\u00dflich der Diskussion um die Frauenquote sein Frauenbild <\/a>und heute offenbart er seine regierungstreue Haltung.<\/p>\n<p>Der Titel lautet: <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/Unfallfrei-von-Bonn-nach-Berlin-von-Ulrich-Reitz-id4777030.html\" target=\"_blank\">Unfallfrei von Bonn nach Berlin &#8211; von Ulrich Reitz<\/a>. Und dann assoziiert der wichtige Zeitungsmann ein merkw\u00fcrdiges Zeug zusammen. Der Kommentator legt dem imagin\u00e4ren &#8222;Wir&#8220; Argumente aus der Nationalstaatsdiskussion des 19.\u00a0 und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts sowie Versatzst\u00fcck der Debatte \u00fcber die Wiedervereinigung in den Mund:<\/p>\n<blockquote><p>Deutschland wird wieder Nationalstaat. Wir sind wieder wer. Wir Deutschen werden nicht mehr zwanghaft Europas Vorbild sein und das mit unserem Scheckbuch teuer bezahlen. Nicht mehr l\u00e4nger uns k\u00fcnstlich klein halten gegen\u00fcber den Nachbarn, den Holl\u00e4ndern etwa. Nicht mehr machen, was Frankreich sagt. Unser politisches Auftreten wird unserer wirtschaftlichen St\u00e4rke entsprechen; endlich, schlie\u00dflich haben wir auch die schlagkr\u00e4ftigste Armee auf dem Kontinent. Und wir bekommen unsere starke Mark zur\u00fcck, trennen uns endlich vom weichen Euro. Und m\u00fcssen auch nicht mehr andere retten. Unter unsere Geschichte, insbesondere diese zw\u00f6lf Jahre, ziehen wir einen Schlussstrich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Herr Reitz behauptet, diese kollektiv und anonym vorgetragenen \u00c4u\u00dferungen seien Projektionen w\u00e4hrend der Wiedervereinigung gewesen. Dass &#8222;wir&#8220; diese Projektionen hatten, ist reine Spekulation, denn in der \u00f6ffentlichen Diskussion spielten sie keine Rolle!<\/p>\n<p>In der Zeit des Kalten Krieges beschwerten sich weder BRD noch DDR-B\u00fcrger dar\u00fcber, machen zu m\u00fcssen, &#8222;was Frankreich sagt&#8220;. Damals waren die USA und die UdSSR die Superm\u00e4chte.<br \/>\nDie Konkurrenz mit den Holl\u00e4ndern kann allenfalls in Grenzst\u00e4dten eine Rolle gespielt haben, im\u00a0 Rest der Republiken hatte sich dies Problem nicht herumgesprochen.<br \/>\nUnd &#8222;unsere Mark zur\u00fcck&#8220; wollte damals auch keiner, denn die hatten wir ja noch.\u00a0 Ergo wollte sich auch damals noch keiner vom Euro trennen, denn den gab es noch gar nicht.<\/p>\n<p>Die oben genannten Projektionen h\u00e4tten, so Ulrich Reitz,\u00a0 f\u00fcr die Hauptstadt Berlin gestanden.\u00a0 Und das vor 20 Jahren. Heute sei diese Diskussion der Jugend gar nicht mehr zu vermitteln und\u00a0 Herr Reitz schlie\u00dft seinen Kommentar mit den Worten:<\/p>\n<blockquote><p>Dieser Umzug von Bonn nach Berlin war nicht der bef\u00fcrchtete oder erhoffte Bruch mit der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eine stabile, soziale Demokratie, fest eingebunden in Europa (auch wenn der Atom-Ausstieg ein deutscher Alleingang war), an der Seite Amerikas, auf gute Beziehungen erpicht mit Moskau, das ist heute die deutsche Realit\u00e4t. Trotz Berlin. Oder wegen Berlin?<\/p>\n<p><strong> Fazit: <\/strong> <strong>Die aufgeregte Debatte um die&#8220;Berliner Republik&#8220; war gar nicht schlecht. Sie hat klar gemacht, was nicht gew\u00fcnscht war: Eine R\u00fcckkehr Preu\u00dfens. Bonns rheinische, weltoffene Gelassenheit lebt nun in der neuen Hauptstadt fort.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch hier wieder ein Sammelsurium von Gedanken, Behauptungen und Fehleinsch\u00e4tzungen. Wer genauer hinsieht, der bemerkt eine ganze Reihe von Br\u00fcchen mit der deutschen Nachkriegsgeschichte: Noch nie hat sich ein deutsche Regierung so wenig um das deutsch-franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnis bem\u00fcht. Die Nicht-Beteiligung am Libyen-Einsatz ist Beispiel eines weiteren Alleingangs der Bundesregierung &#8211; explizit auch ohne Frankreich. Unsere Demokratie ist so stabil, dass wir aufgrund der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kein-gueltiges-wahlgesetz-in-deutschland-die-schande-des-parlaments-1.1109514\" target=\"_blank\">Nachl\u00e4ssigkeit der schwarz-gelben Regierung demn\u00e4chst ohne verfassungsm\u00e4\u00dfiges Wahlrecht dastehen<\/a>.<\/p>\n<p>Nein, &#8222;wir&#8220;, die B\u00fcrger der Bundesrepublik Deutschland, sind keinesfalls unfallfrei von Bonn nach Berlin gekommen, auch wenn wir heute nicht in Preu\u00dfen leben. Einer Kanzlerin, die Spaniern, Griechen und Portugiesen nahelegt,\u00a0 flei\u00dfiger zu arbeiten, fehlt es an Weltoffenheit. Ebensowenig ist milit\u00e4risches Engagement deutscher Soldaten in der Welt\u00a0 das Zeichen einer kosmopolitischen Haltung. Allenfalls die im Kommentar genannte\u00a0 Gelassenheit, die schon fast an Apathie grenzt, die lasse ich als Merkmal dieser Regierung gelten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soll man dumme Kommentare kommentieren oder soll man sie mit Nichtachtung strafen? Der aktuelle Kommentar des Chefredakteurs des Online-Portals des\u00a0 Westens Ulrich Reitz hat mich erneut zum Widerspruch gereizt. 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