{"id":11856,"date":"2011-04-10T20:24:17","date_gmt":"2011-04-10T19:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=11856"},"modified":"2011-04-10T20:24:17","modified_gmt":"2011-04-10T19:24:17","slug":"auch-wenn-ich-des-themas-fast-uberdrussig-bin-die-koof-mich-recherche-der-taz-ist-nur-die-halbe-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/auch-wenn-ich-des-themas-fast-uberdrussig-bin-die-koof-mich-recherche-der-taz-ist-nur-die-halbe-wahrheit\/","title":{"rendered":"Auch, wenn ich des Themas fast \u00fcberdr\u00fcssig bin: die &#8222;koof mich&#8220; &#8211; Recherche der taz ist nur die halbe Wahrheit."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_11857\" aria-describedby=\"caption-attachment-11857\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11857\" title=\"wpmeschede03\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/wpmeschede03.jpg\" alt=\"WP\/WR in Meschede. (foto: zoom)\" width=\"160\" height=\"239\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11857\" class=\"wp-caption-text\">WP\/WR in Meschede. (foto: zoom)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit ist f\u00fcr Konzerne wie die WAZ et alii kein eigenst\u00e4ndiger Wert. <\/strong><\/p>\n<p>Die Behauptung dieser Eigenschaft der Produkte soll lediglich als Alleinstellungsmerkmal gegen\u00fcber reinen Reklamezeitungen dienen, ansonsten wird mit allen Mitteln auf dem Markt der Presseprodukte um den Profit gerungen. Profiteure sind Eigent\u00fcmer, Verleger sowie Verlagsfunktion\u00e4re und Betriebskader.<\/p>\n<p>Anfang April ver\u00f6ffentlichte <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/leben\/medien\/artikel\/1\/einfluss-zu-verkaufen\/\" target=\"_blank\">die taz eine Recherche<\/a>, die unter der \u00dcberschrift &#8222;Schleichwerbung bei Zeitungen Einfluss zu verkaufen&#8220; die K\u00e4uflichkeit von Printmedien enth\u00fcllen sollte:<\/p>\n<p>&#8220; &#8230; Ein Mitarbeiter der <em>Westdeutschen Allgemeinen Zeitung<\/em> (WAZ) bot eine anzeigenfreie Beilage zum Thema Banken an, in der die  Branche \u00fcber ihren Umgang mit der Finanzkrise informieren k\u00f6nne. &#8222;Ein  vierseitiges Banken Spezial ohne Anzeigen in der Gesamtausgabe kann ich  Ihnen zum Gesamtpreis von 117.500 Euro zuz\u00fcglich Mehrwertsteuer  anbieten&#8220;, hie\u00df es in einem schriftlichen Angebot &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Wenige Tage sp\u00e4ter erschien in der S\u00fcddeutschen Zeitung eine kurze Notiz mit der \u00dcberschrift: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/I5c38d\/4021835\/WAZ-dankt-taz.html\" target=\"_blank\">WAZ dankt &#8218;taz&#8216;<\/a>:<\/p>\n<p>WAZ-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bodo Hombach lobte die taz sogar: &#8218;Investigativer  Journalismus ist auch dann hilfreich, wenn er einem selbst unangenehm  ist.&#8216;<\/p>\n<p>&#8222;Heuchlerisch!&#8220;, rief ich <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=155521011177772&amp;id=100002049904217\" target=\"_blank\">auf facebook<\/a>.<\/p>\n<p>Im Gewerkschaftsblog &#8222;medienmoral&#8220; wurde das Anschreiben, welches der Autor der S\u00fcddeutschen verwertete hatte <a href=\"http:\/\/www.medienmoral-nrw.de\/2011\/04\/besonders-autos-kommen-schleichend\/#comment-39089\" target=\"_blank\">komplett kolportiert:<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Manfred Braun, WAZ-Verlagsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer NRW:<br \/>\nLiebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,<br \/>\nEin verdeckt recherchierender Redakteur der taz hat im Sommer 2009 die Anzeigenabteilung unseres Hauses besucht und mehrere Angebote f\u00fcr Sonderver\u00f6ffentlichungen eingeholt. Die taz berichtet in ihrer Ausgabe vom Samstag, 2. April, ausf\u00fchrlich \u00fcber die Ergebnisse der Recherche, die insgesamt zehn deutsche Verlagsh\u00e4user betrifft.<br \/>\nDie Verlagsgesch\u00e4ftsf\u00fchrung NRW hat den uns betreffenden Vorgang gr\u00fcndlich aufgearbeitet. Es ist nach unseren Erkenntnissen nicht auszuschlie\u00dfen, dass der Bericht der taz in Bezug auf unser Haus zutreffend ist.<br \/>\nDie Kennzeichnung von bezahlten PR-Texten in unseren Sonderver\u00f6ffentlichungen und Beilagen entspricht zum Teil nicht den Regeln, die der Verband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) aufgestellt hat, und ist juristisch nicht korrekt. Konsequenz: Wir werden zuk\u00fcnftig noch strenger auf die Einhaltung der ZAW-Richtlinien achten und die von unseren Kunden bezahlten PR-Texte klar und deutlich mit dem Wort \u00e2\u20ac\u017eAnzeige\u00e2\u20ac\u0153 kennzeichnen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus gilt der Verhaltenskodex, der bei der WAZ Mediengruppe die Trennung von redaktionellem Inhalt und Anzeigen unmissverst\u00e4ndlich regelt. Verst\u00f6\u00dfe werden, bis hin zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, sanktioniert.&#8220;<\/p>\n<p>Nachdem ich diese Anschreiben gelesen hatte, habe ich mich vor Lachen gekringelt. Liest man doch w\u00f6rtlich:<\/p>\n<p>&#8222;Wir werden zuk\u00fcnftig noch strenger auf die Einhaltung der  ZAW-Richtlinien achten und die von unseren Kunden bezahlten PR-Texte  klar und deutlich mit dem Wort \u00e2\u20ac\u017eAnzeige\u00e2\u20ac\u0153 kennzeichnen.&#8220;<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass weiterhin die anderen PR-Texte ungehemmt in die Seiten der Produkte des WAZ-Konzerns einflie\u00dfen k\u00f6nnen, ohne mit dem Wort &#8222;Anzeige&#8220; gekennzeichnet zu werden.<\/p>\n<p>Ich behaupte: Die gekauften Artikel sind nicht die gr\u00f6\u00dfte Manipulation der Leser. Die gr\u00f6\u00dfte Manipulation ist die PR, die v\u00f6llig unentgeltlich die E-Mail-Boxen der Reakteure verstopft und mit einem Maus-Klick in den Satzspiegel der Zeitung einflie\u00dfen kann und einflie\u00dft.<\/p>\n<p>Diese PR- Manipulation der Leser geschieht sowohl einstufig, als auch zweistufig.<\/p>\n<p>Was meine ich damit.<\/p>\n<p>Unter einstufiger PR-Manipulation verstehe ich den direkten Weg vom Erzeuger zum Verbraucher. Der Pressesprecher des B\u00fcrgermeisters\/der Partei XY\/ des Verbandes AB\/ des Vereins YZ\u00a0 schickt einen Text an die Redaktion, der dann mit minimalen oder keinen \u00c4nderungen direkt verwertet wird. Der Leser oder die Leserin k\u00f6nnen nur indirekt schlie\u00dfen, dass es sich um PR handelt, weil kein Autor oder Autorenk\u00fcrzel angegeben wird.<\/p>\n<p>Die zweistufige PR-Manipulation spielt \u00fcber die Bande. Der Weg l\u00e4uft folgenderma\u00dfen: Ein PR-B\u00fcro, bei uns im HSK meist eine einzige Person, formuliert Texte f\u00fcr verschiedene Auftraggeber. Der Auftraggeber verf\u00fcgt \u00fcber Geld, sonst k\u00f6nnte er sich einen Schreiber\/eine Schreiberin gar nicht leisten. Diese Texte werden dann vom Auftraggeber an die Redaktionen geleitet.<\/p>\n<p>Es handelt sich bei uns oft um Themen, die einer journalistischen Recherche bed\u00fcrften: Bauvorhaben, Umgestaltung der Landschaft &#8230;<\/p>\n<p>Allein, der Redakteur\/ die Redakteurin hat keine Ressourcen diese aufw\u00e4ndigen Recherchen zu betreiben. Also landet die PR im der Zeitung.<\/p>\n<p>Ein Klick, kostet nichts und wird nicht mit &#8222;Anzeige&#8220; gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Diese PR-Texte und nicht die grobklotzigen, leicht zu erkennenden Anzeigentexte, sind das eigentliche Gift, welches die Glaubw\u00fcrdigkeit des Lokaljournalismus schon lange zerst\u00f6rt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit ist f\u00fcr Konzerne wie die WAZ et alii kein eigenst\u00e4ndiger Wert. 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