{"id":11833,"date":"2011-04-07T19:33:34","date_gmt":"2011-04-07T18:33:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=11833"},"modified":"2020-01-18T23:09:09","modified_gmt":"2020-01-18T22:09:09","slug":"california-here-i-come-reisebericht-teil-iv-gedanken-auf-dem-weg-zum-mammoth-lake","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/california-here-i-come-reisebericht-teil-iv-gedanken-auf-dem-weg-zum-mammoth-lake\/","title":{"rendered":"California here I come: Reisebericht Teil IV &#8211; Gedanken auf dem Weg zum Mammoth Lake"},"content":{"rendered":"<p>Unser <a href=\"..\/..\/?author=8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autor<\/a> war auf\u00a0 Tour. Diesmal in Kalifornien. Seine Betrachtungen \u00fcber Kalifornien ver\u00f6ffentlichen wir <a href=\"..\/?cat=2482\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">unter der Kategorie &#8222;Kalifornien&#8220;\u009d<\/a>. Die winterliche Fahrt zum Mammoth Lake verf\u00fchrte Christopher zu allerlei Gedanken \u00fcber die Rolle der USA auf der Weltb\u00fchne der Politik. Wer sich nicht anstrengen will, sollte dieses Kapitel der Reise tunlichst nicht lesen. Alle anderen sind zu Widerspruch, Zustimmung\u00a0 oder stillem Lesen eingeladen.<\/p>\n<p><strong>29.12. und 30.12. 2010 zwischen den Jahren: <em>Mammoth Lake<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die projektierte kurze Fahrt von Merced nach Mammoth Lake entwickelt sich mit zunehmender Dauer zum Abenteuer, denn die P\u00e4sse der Sierra Nevada sind just zwischen den Jahren, an diesem Tag, von einem Schneesturm heimgesucht worden. Zum Teil liegt der Schnee f\u00fcnf Meter hoch, sodass selbst mit Schneeketten an kein Durchkommen zu denken ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11836\" aria-describedby=\"caption-attachment-11836\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11836\" title=\"mammoth011\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth011.jpg\" alt=\"Unterwegs mit Schneeketten.\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth011.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth011-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11836\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs mit Schneeketten.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Schneeketten und Umwege<\/strong><br \/>\nNachdem der erste Versuch der Pass\u00fcberwindung gescheitert ist, kaufte ich nach gutgemeintem Ratschlag beim Kaffee im n\u00e4chstbesten Kleinindustriezentrum vor den Toren der Stadt Schneeketten und setzte die Fahrt nach Norden fort. Man sagte, im Notfall m\u00fcsse man bis nach Reno in Nevada fahren, also einmal um die H\u00f6hen der Bergkette herum, um dann wieder nach S\u00fcden zu cruisen. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach sei der n\u00e4chste n\u00f6rdliche Pass frei. Das war nicht der Fall und so ging es bei Radiounterhaltung stundenlang gen Norden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11837\" aria-describedby=\"caption-attachment-11837\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11837\" title=\"mammoth02\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth02.jpg\" alt=\"Aus dem angepeilten Sommerurlaub im Golden State wurde ein osteurop\u00e4ischer Winter.\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth02.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth02-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11837\" class=\"wp-caption-text\">Aus dem angepeilten Sommerurlaub im Golden State wurde ein osteurop\u00e4ischer Winter.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die US-amerikanischen Medien und der Krieg<\/strong><br \/>\nDas Radio wie das Fernsehen vermitteln einem oft ein Amerika, das leider das Bild der Gesellschaft im Ausland bestimmt: Denn zum Gro\u00dfteil wird dort \u00fcber das politische Establishment berichtet und das f\u00fchrt zum Leidwesen vieler Nationen in mehreren L\u00e4ndern derzeit einen noch von George W. Bush ausgerufenen \u00e2\u20ac\u017eWar on Terrorism\u00e2\u20ac\u0153. In den politischen Diskussionen des Radios f\u00e4llt einem jedenfalls der ungemein kriegerische, ja militaristische Ton auf, indem allen Ernstes z.B. abgewogen wird, ob es besser sei, mit China zu kooperieren oder es milit\u00e4risch zu bekriegen. Dabei belebte besonders die durch zugeschaltete Zuh\u00f6rer bereicherte Diskussion die Frage, ob man diesen Krieg mit konventionellen, biologischen oder atomaren Waffen f\u00fchren solle. Man meint, seinen Ohren nicht recht trauen zu k\u00f6nnen, zumindest wenn man aus Europa kommt. Man meint erst, man habe sich verh\u00f6rt oder es w\u00e4re ein H\u00f6rspiel gewesen in der Machart Stanley Kubricks \u00e2\u20ac\u017eDr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben\u00e2\u20ac\u0153, in dem die Kalten Krieger der McCarthy-\u00c4ra herumpoltern, so etwa wie es die Realit\u00e4tst\u00e4uschung gab, als H.G. Wells \u00e2\u20ac\u017eKrieg der Welten\u00e2\u20ac\u0153 ausgestrahlt wurde.<\/p>\n<p><strong>Der milit\u00e4risch-industrielle Komplex<\/strong><br \/>\nAber es ist auch eine Realit\u00e4t im Lande, dass der \u00e2\u20ac\u0161milit\u00e4risch-industrielle Komplex\u00e2\u20ac\u2122, wie ihn W.D. Eisenhower in den 1950er Jahren taufte und vor dessen politischer Macht er eindringlich im Falle des Koreakrieges warnte, offenbar seine Claqueure in einflussreichen, \u00f6ffentlichkeitswirksamen Institutionen positionieren kann.<\/p>\n<p><strong>Die Plutoktatie hat die Medienmacht<\/strong><br \/>\nIm Friscoer \u00e2\u20ac\u017eGreen Tortoise\u00e2\u20ac\u0153 war man sich bei politischen Diskussionen Recht schnell einig, dass George W. Bush kein bedauerlicher Wahlfehler war, sondern die empirischen Verfassungsverh\u00e4ltnisse der Realit\u00e4t widerspiegelt. So herrsche in den USA eine Plutokratie, deren politischer F\u00fchrungszirkel die Medienmacht bes\u00e4\u00dfe, den politischen Willen gro\u00dfer Teile des Volks zu manipulieren, was an die \u00e2\u20ac\u017ePressur group theory\u00e2\u20ac\u0153 der 1960er Jahre erinnert, wonach die aktiven Gruppen in der Gesellschaft in den St\u00e4dten wegen der Tr\u00e4gheit der gro\u00dfen Masse mehr Chancen zur Durchsetzung ihres Willen, also politische Macht, hat als eben die passive Masse, die keine Themen setzt.<\/p>\n<p>So manipulierte der Bush-Clan seit Jahr und Tag, da ihm einflussreiche Fernsehsender zu Gro\u00dfteilen geh\u00f6rten, was an das politisch heruntergekommene Italien Berlusconis anklingt. Zur Fatalit\u00e4t gerate das politische Desinteresse des inneren Amerikas zwischen den K\u00fcsten und des Bible Belts im S\u00fcden, da Bush und Co. in Washington mit der R\u00fcstungsindustrie verschw\u00e4gert w\u00e4ren, wie der Durchschnittsamerikaner in San Francisco meint.<\/p>\n<p><strong>Die kriegerische Nation: von der Monroe-Doktrin zur systemkonfrontativen Weltmachtpolitik<\/strong><br \/>\nDie an Krieg gew\u00f6hnte und auch kriegerische Nation, muss man wohl sagen, kennt den Krieg nicht als Ultima Ratio der Politik, sondern scheint alteurop\u00e4isch in Jean Bodins Glauben an den gerechten Krieg und fr\u00fchmodern (bis zum 1. Weltkrieg) an den Krieg als verl\u00e4ngertes Mittel der Politik verfangen zu sein, bei dem der Zweck die Mittel heiligt. Gar nicht erst seitdem Bush dem \u00e2\u20ac\u017eWar on Terrorism\u00e2\u20ac\u0153 einen Kreuzzugscharakter gegen die Moslems gab, sondern von Beginn des 20. Jhs. an, nachdem der Aufstieg der USA zur Weltmacht besiegelt war: Die USA waren immer weniger der Monroe-Doktrin gefolgt, hatten sich stattdessen zur Franklin D. Roosevelt-Politik der Einmischungsstrategie durchgerungen, zun\u00e4chst nur verschwiemelt in der Wirtschaftspolitik. Bald schon verteidigten sie dann offen die demokratischen Werte im faschistischen Europa und bekannten sich, einmal in den Sog des Kalten Kriegs gezogen, zur imperialistischen, zumal systemkonfrontativen Weltmachtpolitik.<\/p>\n<p><strong>Der Krieg und die Umverteilung der Steuergelder<\/strong><br \/>\nDagegen, gegen diese imperiale Rom-Attit\u00fcde der politischen Kreise scheinen Vernunftgr\u00fcnde seit je vergeblich, wo doch allgemein bekannt ist, dass es in einem Staat keine gr\u00f6\u00dfere Verschwendung des Volksverm\u00f6gens gibt als die R\u00fcstungsausgaben. Wie aus dem Lehrbuch der Politikwissenschaft f\u00fchrte die Regierung unter G.W. Bush vor, wie unter der Sch\u00fcrung eines Bedrohungsgef\u00fchls eine Umverteilung der Steuergelder von unten nach oben, in die Kassen eben besagten milit\u00e4risch-industriellen Komplexes stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Nur sehr wenige profitieren n\u00e4mlich von R\u00fcstungsg\u00fctern, die im Gegensatz zum Staatsinterventionismus nach John Maynard Keynes in die Infrastruktur den lokalen Wirtschaftsbranchen verz\u00f6gert zu Gute kommt und sich schlie\u00dflich in den bl\u00fchenden Landschaften des \u00f6ffentlichen Raums materialisiert, den alle Staatsb\u00fcrger genie\u00dfen k\u00f6nnen, sei es in Bibliotheken, Schwimmb\u00e4dern, sch\u00f6nen Innenstadtpl\u00e4tzen, Stra\u00dfenbeleuchtungen etc.pp.<\/p>\n<p><strong>Der Konsum von R\u00fcstungsausgaben besteht im gro\u00dfen Morden<\/strong><br \/>\nDer Konsum von R\u00fcstungsausgaben hingegen besteht im gro\u00dfen Morden in Weltteilen, von denen in Amerika der Gro\u00dfteil so wie Bush in einem Auftritt in einer TV-Show nach den Anschl\u00e4gen vom 11.9.2001 nicht anzugeben w\u00fcsste, wo sie auf der Weltkarte \u00fcberhaupt liegen; im Falle Bushs war es Afghanistan, dem er gerade den Krieg erkl\u00e4rt hatte. Unproduktive R\u00fcstungsausgaben aber, wof\u00fcr aus der Staatsverschuldung verzinste Staatsanleihen aufgenommen werden m\u00fcssen und dem \u00f6ffentlichen Sektor Steuergelder entzogen werden, f\u00fchren zur Inflation und damit zur Sch\u00e4digung der Volkswirtschaft bis hin zum Kollaps. Mit zunehmender Staatsverschuldung f\u00fcr Kriegszwecke steigt der Druck, den Geldmengenumlauf durch Geldnachdruck der Notenbank anzuheben, um so die verschwendeten Milliarden wieder in den zivilen Sektor zur\u00fcckzugeben, und damit entsteht eine Inflation. So ist es kein Zufall, dass die Weltwirtschaftskrise 2008 einer bis dahin in einem demokratischen, modernen Staat beispiellosen Verschwendung \u00f6ffentlicher Mittel f\u00fcr kriegsvorbereitende Zwecke folgte, der Aufr\u00fcstung f\u00fcr zwei Irakkriege und einen in Afghanistan.<\/p>\n<p><strong>Vom Krieg zur Weltwirtschaftskrise<\/strong><br \/>\nZwar mag die 2008er Weltwirtschaftskrise auf der Oberfl\u00e4che durch private \u00dcberschuldung und ungedeckte Kreditvergabe, durch B\u00f6rsenspekulationen, dem ganzen Klein-Klein des Fachchinesisch wie der \u00e2\u20ac\u017emoralisch\u00e2\u20ac\u0153 verp\u00f6nten Geldvernichtung durch Hedge-Fonds, aber vor allem dem schieren Volumen des B\u00f6rsenkapitals, das sich von dem Realwert der Wirtschaft losgel\u00f6st hatte, ausgel\u00f6st worden sein &#8211; soweit die b\u00fcrgerlichen Medien. Aber die Mentalit\u00e4t, alles auf ungedeckten Pump zu kaufen, eben auch die die Krise ausl\u00f6senden Immobilien, ist staatlicherseits angeheizt worden, um die Inflation, die durch die Staatsverschuldung ausgel\u00f6st worden war, durch stetes Wirtschaftswachstum infolge steigenden Massenkonsums zu kompensieren.<\/p>\n<p>Die aktuelle Wirtschaftsideologie des Massenkonsumismus und damit hoher Steuereinnahmen wurzelt wiederum in ungebrochen immensen Ausgaben f\u00fcrs Milit\u00e4r, die Rekordmarken unter dem schauspielernden Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan erreichten. Zuletzt wurden sie in Friedenszeiten prozentual wohl nur im absolutistischen Frankreich des Sonnenk\u00f6nigs Ludwig XIV. im 17. Jh. \u00fcbertroffen, wo damals \u00fcber Jahrzehnte hinweg ca. die H\u00e4lfte des Staatshaushalts in das neu eingerichtete stehende Heer investiert wurde.<\/p>\n<p>Die Reagan-Regierung hob die R\u00fcstungsausgaben in den 1980er Jahren auf \u00fcber 250 Mrd. US-Dollar kontinuierlich an, um den Ostblock totzur\u00fcsten, was ja dann mit dem wirtschaftlichen Kollaps der Sowjetunion 1991 gelang, die zuletzt bis auf 200 Mrd. US-Dollar R\u00fcstungsausgaben mitzog. Die Nachfolgeregierungen unter George Bush, Bill Clinton und George W. Bush froren die R\u00fcstungsausgaben sodann nicht etwa ein, sondern erh\u00f6hten sie auf 400-500 Mrd. US-Dollar pro Jahr.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den europ\u00e4ischen Mittelstaaten, die etwa 40 bis 50 Mrd. US-Dollar pro Staat (ca. 15-20% des j\u00e4hrlichen Staatshaushaltes) f\u00fcr ihre R\u00fcstung ausgeben, mutet dieses amerikanische Projekt wie ein Rausch in Gr\u00f6\u00dfenwahn an, ein neues imperiales Rom.<\/p>\n<p><strong>Krieg: die L\u00fcge verschafft sich subjektiv in den Bedrohungsgef\u00fchlen ihre eigene Realit\u00e4t<\/strong><br \/>\nVor Augen halten muss sich dabei immer wieder, dass dieses Land nie Krieg auf eigenem Boden gef\u00fchrt hat und das es nie durch seine Nachbarn auf dem eigenen Kontinent bedroht wurde. Im Gegenteil haben die US-Amerikaner den Mexikaner 1854 die halbe Landfl\u00e4che abgepresst und so viel Elend nach Lateinamerika des 20. Jhs. exportiert. Die Bedrohungsfantasien, zu deren Z\u00fcchtung und Verbreitung sich die US-Gesellschaft eigene Ministerien wie das Department of Homeland Security 2002 aufgebaut hat, scheinen wie eine schizophrene Abspaltung des schlechten Gewissens, weil sie kaum vollst\u00e4ndig verdr\u00e4ngen kann, dass sie l\u00fcgt, weil es keine Feinde gibt, au\u00dfer die, die sie sich durch ihre eigene Feindseligkeit herangez\u00fcchtet hat. Nun diktiert unterbewusst als Schutzmechanismus das schlechte Gewissen, man solle an die eigene L\u00fcge auch konsequent glauben, nicht nur um vor sich selbst aufrichtig dazustehen, sondern auch weil der Schaden schon immens geworden ist. Dadurch verschafft sich die L\u00fcge subjektiv in den Bedrohungsgef\u00fchlen ihre eigene Realit\u00e4t. Auch dies verhindert eine vern\u00fcnftige US-Politik, n\u00e4mlich schlicht die Truppen rund um den Globus abzuziehen und mit der Welt Frieden zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Kein US-amerikanischer Krieg nach dem 2. Weltkrieg hat irgendetwas mit Demokratie zu tun<\/strong><br \/>\nEs ist \u00fcberhaupt verwunderlich, wie ungebrochen ignorant offensichtlich die amerikanische Volksseele am gro\u00dfen Morden in \u00dcbersee festh\u00e4lt. Kein US-amerikanischer Krieg nach dem 2. Weltkrieg hat irgendetwas mit Demokratie, oder was die US-Amerikaner daf\u00fcr halten, zu tun (wodurch ein Krieg in Augen der USA zum gerechten, zum missionarischen Krieg f\u00fcr Werte w\u00fcrde) oder h\u00e4tte in der Praxis irgendetwas gebracht au\u00dfer zerst\u00f6rte L\u00e4nder und Gesellschaften. Das war in Korea und erst recht in Vietnam so, bei diesen blutigen, Millionenopfer fordernden Stellvertreterkriegen im Kalten Krieg; das ist in Afghanistan und Irak so, bei diesen Kriegen um territoriale Hegemonie im Wettlauf um die Rohstoffressourcen Erd\u00f6l und Erdgas. Mit dieser Politik abgehalfteter Raubritter, die vor der ideellen Verarmung edle Werte vertreten h\u00e4tten, sagen wir einmal unhistorisch f\u00fcr die Mittelaltermetapher Demokratie, schaffen die US-Amerikaner nur eins, n\u00e4mlich die traurige Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit zu verl\u00e4ngern, dass nach dem 30-J\u00e4hrigen Krieg, seit den Kabinettskriegen des Absolutismus die Zahl der Opfer unter Zivilisten von Krieg zu Krieg anstieg, bis hin zu Vietnam mit einem Anteil von 90% der Zivilbev\u00f6lkerung. Bis jetzt fehlen wegen der Milit\u00e4rzensur aussagekr\u00e4ftige Zahlen der US-Feldz\u00fcge in Nahost.<\/p>\n<p><strong>Schw\u00e4rmer und Pazifisten<\/strong><br \/>\nNur Schw\u00e4rmer und Pazifisten k\u00f6nnten abstreiten, dass es reale Gefahren g\u00e4be? Das deutsche Beispiel zeigt sehr deutlich, dass unsere Freiheit nicht am Hindukusch verteidigt wird, sondern unsere wirtschaftlichen Interessen im \u00e2\u20ac\u017eNewest Deal\u00e2\u20ac\u0153 des Hegemoniestrebens nach den Schl\u00fcsselrohstoffen des 21. Jhs., wie ja der daf\u00fcr zur\u00fcckgetretene Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler unverbl\u00fcmt gesagt hat. Deutschland war relativ als \u00e2\u20ac\u017eehrlicher Makel der Interessen\u00e2\u20ac\u0153 bis in die 1990er Jahre geachtet, weil es infolge seines nicht-souver\u00e4nen Status bis 1990 keine au\u00dfenpolitischen Ambitionen haben konnte. Seitdem der Krieg in Afghanistan im Gange ist, ist Deutschland vom Terrorismus bedroht, nicht umgekehrt, wie die staatliche Masche der medialen Maschinerie der Angst uns weismachen will.<\/p>\n<p><strong>Costa Rica &#8211; es geht auch anders<\/strong><br \/>\nDas es auch anders geht, zeigt das demokratische Costa Rica, das das Milit\u00e4r 1949 per Verfassung abgeschafft hat und friedlich seit Jahrzehnten lebt, obwohl ringsum durch die USA angezettelte und bis zum bitteren Ende durchgefochtene B\u00fcrgerkriege in dem US-Hinterhof Mittelamerika tobten. Das internationale Konzern-Direktorium des Wachstums, auf den sich die herrschenden politischen Eliten in offenen Stunden berufen &#8211; ist es eigentlich Ihr Wachstum, geneigte Leserschaft? Ist es das Wachstum der Volkswirtschaften der entwickelten Welt, deren Arbeitslosenzahl w\u00e4chst, deren Sozialstruktur von Jahr zu Jahr prek\u00e4rer wird, deren Neue Armut den Parolen der Bosse Hohn spricht?<\/p>\n<p><strong>Das Ende der Geschichte?<\/strong><br \/>\nNach dem Ausruf des Endes der Geschichte (Francis Fukuyama 1992) &#8211; eigentlich nur dem neoliberalen Ausstieg aus der Geschichte, der den Protest dagegen delegitimierte, nachdem der Kommunismus kollabiert war &#8211; nach diesen zwei verlorenen Dekaden der Geschichtsverdr\u00e4ngung, derzufolge die altliberale Heilslehre doch Recht gehabt h\u00e4tte, wonach der gerechte Tausch und die Konkurrenz, also der Utilitarismus aller gegen alle wie an den F\u00e4den einer unsichtbaren Hand den Wohlstand der Nationen f\u00f6rdern w\u00fcrde, ist es Zeit wieder in der blutigen Kontinuit\u00e4t der realen Geschichte aufzuwachen.<\/p>\n<p><strong>Bibelprediger und Massenpsychose<\/strong><br \/>\nDurch den Schneesturm war es eine lange Autofahrt mit verschiedensten Radiosendungen, bei denen am obskursten immer noch die Bibelprediger waren. Deren Tonfall erinnerte mich jedesmal an eine Szene in einer Moschee in Damaskus: Eine Schar burkatragender Frauen fand sich im Moscheehof ein und ein Vorbeter sang mit steigender Erregung Koranverse. Nach einer Zeit stimmten die Frauen wie in Trance in eine Art Liturgie ein, die sich in steigerndes Geschluchze bis hin zu Schmerzensschreien Ausdruck verlieh. Die Situation war so beklemmend, dass nur der auf uns Giauren ausgestreckte Zeigefinger gefehlt h\u00e4tte, und die Menge w\u00e4re auf uns zugest\u00fcrmt, um uns in der Luft zu zerrei\u00dfen. Eine \u00e4hnliche befremdliche, explosive, zwischen Wahn und Ritual taumelnde Atmosph\u00e4re der Massenpsychose, nun aber mit xenophoben Obert\u00f6nen, erlebte ein Freund und seine Reisegruppe w\u00e4hrend einer rituellen Sch\u00e4chtung in einem Dorf in Algerien in den fr\u00fchen 1980er Jahren. Als der Schamane die Kehle eines Schafes durchschneiden wollte, wies er die Blicke der Menge in Richtung Ausl\u00e4nder und bedeutete ihnen unter beif\u00e4lliger Bekundung der Menge, sie w\u00e4ren die n\u00e4chsten, dessen Kehle durchgeschnitten w\u00fcrde. Es gibt Urlaube, bei denen man froh ist, wenn sie vorbei sind und man das Land wieder verl\u00e4sst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11838\" aria-describedby=\"caption-attachment-11838\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11838\" title=\"mammoth03\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth03.jpg\" alt=\"Letzte Abfahrt Hoffnung - Wo sind die Palmen geblieben?\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth03.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/mammoth03-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11838\" class=\"wp-caption-text\">Letzte Abfahrt Hoffnung &#8211; Wo sind die Palmen geblieben?<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Endlich gefunden: der Pass \u00fcber die Sierra Nevada<\/strong><br \/>\nZu guter Letzt fand ich \u00fcbrigens noch einen Pass \u00fcber die Sierra Nevada bei Lago Togo. Der bezauberte durch eine Schneelandschaft, wie ich sie zuletzt im deutschen Mittelgebirge, im Sauerland im wirklich wundervollen Winter 2005\/ 2006 erlebt hatte. Ich f\u00fchlte mich wie zu Hause, nur das die Berge zerkl\u00fcfteter und reizvoller schienen; ein den Deutschen im Allgemeinen doch wurmendes Gef\u00fchl, was die Naturlandschaft anbelangt, nicht gerade gesegnet worden zu sein. Reizvoller noch gestaltete sich die Fahrt durchs Wei\u00df, da ich auf einen sonnigen Kalifornienurlaub eingestellt war und mich mitten in ein Winterm\u00e4rchen versetzt sah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Autor war auf\u00a0 Tour. Diesmal in Kalifornien. Seine Betrachtungen \u00fcber Kalifornien ver\u00f6ffentlichen wir unter der Kategorie &#8222;Kalifornien&#8220;\u009d. 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