{"id":11738,"date":"2011-03-30T20:39:51","date_gmt":"2011-03-30T19:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=11738"},"modified":"2011-05-28T21:15:36","modified_gmt":"2011-05-28T20:15:36","slug":"ciudad-mexico-eine-clavicula-fraktur-zeugt-erfahrungen-mit-dem-mexikanischen-gesundheitssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ciudad-mexico-eine-clavicula-fraktur-zeugt-erfahrungen-mit-dem-mexikanischen-gesundheitssystem\/","title":{"rendered":"Ciudad Mexico: Eine Clavicula-Fraktur und die Erfahrungen mit dem mexikanischen Gesundheitssystem."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_11739\" aria-describedby=\"caption-attachment-11739\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11739\" title=\"lt_marion1301\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/lt_marion1301.jpg\" alt=\"Trotz Krankenhaus und alledem gibt es einen sonnigen Fr\u00fchling in Mexiko-Stadt\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/lt_marion1301.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/lt_marion1301-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11739\" class=\"wp-caption-text\">Trotz Krankenhaus und alledem gibt es einen sonnigen Fr\u00fchling in Mexiko-Stadt<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dieser Artikel ist der 13. Teil <a href=\"..\/?author=23\" target=\"_blank\">einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico-City. Heute wird klar, dass man auch in Mexico\u00a0 dem Tod von der Schippe springen muss. Der Preis war f\u00fcr Marion zwar hoch, wird aber nicht unbezahlbar sein. <\/em><em>Trotz alledem w\u00fcnschen wir viel Spa\u00df beim Lesen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Hola a todos!<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_11740\" aria-describedby=\"caption-attachment-11740\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11740\" title=\"lt_marion1302\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/lt_marion1302.jpg\" alt=\"Voll vermullt. Das Schl\u00fcsselbein mit Edelstahlklammern zusammengeflickt.\" width=\"232\" height=\"190\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11740\" class=\"wp-caption-text\">Vermullt: das Schl\u00fcsselbein mit Edelstahlklammern wieder zusammengeflickt<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>H\u00e4tte man mich vor ein paar Wochen gefragt, was denn <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schl%C3%BCsselbein\" target=\"_blank\">Clavicula<\/a> sei, ich h\u00e4tte es nicht gewusst. Wahlweise h\u00e4tte ich zwischen einem Musikinstrument -\u00e4hnlich einer Ziehharmonika- oder dem Namen einer ostafrikanischen Musikgruppe, die auf dem Putumayo-Label vertreten ist, getippt. Doch weit gefehlt, denn Clavicula liegt mir viel n\u00e4her als ich dachte. Es ist der lateinische Begriff f\u00fcr Schl\u00fcsselbein und wird ebenso im Spanischen benutzt.<\/strong><\/p>\n<p>Vor zwei Wochen waren Christopher und ich mit Besuch aus Deutschland auf dem Weg zu den <a href=\"http:\/\/www.grutastolantongo.com.mx\/\" target=\"_blank\">grutas de tolantongo<\/a>. Ein Naturreservat ca. 130 km n\u00f6rdlich von Mexiko-Stadt. Wie weit es genau weg ist, wei\u00df ich leider nicht, denn wir kamen nicht dort an.<\/p>\n<p><strong>In der Finsternis<\/strong><br \/>\nEs d\u00e4mmerte bereits, als wir auf einer scheinbar gut ausgebauten Landstrasse mit ungef\u00e4hr 80 km\/h fuhren und innerhalb k\u00fcrzester Zeit wurde es stockdunkel. Pl\u00f6tzlich ein kurzer Aufschrei: da ist was. Ich sa\u00df hinter dem Fahrer, sp\u00e4hte kurz in die Mitte und sah, dass mitten auf unserer Fahrbahn eine mehr als bordsteinkantehohe Betonbegrenzung unvermittelt die Strasse trennt. Kein Licht, kein Schild, nichts, was darauf hingewiesen h\u00e4tte. Ich dachte nur: och, Christopher schafft das schon.<\/p>\n<p>Und dann war es nicht nur drau\u00dfen dunkel.<\/p>\n<p><strong>Nach dem Unfall<\/strong><br \/>\nAls ich wieder zu mir kam, stand unser Wagen quer auf der Fahrbahn. Um uns herum viele Leute. Etwas benommen nahm ich wahr, dass ich meine rechte Hand nicht f\u00fchlte und instinktiv griff ich mir an die rechte Schulter. Dort, wo normalerweise ein Knochen ist, war ein Loch. Was ist mit den anderen? Was ist \u00fcberhaupt passiert? Ich kletterte aus dem Wagen. Zum Gl\u00fcck konnte das Auto noch zur Seite gefahren werden, so dass nicht noch jemand in dieser Finsternis hinein fuhr. Aus reinem Aktionismus wechselte ein anwesender Mexikaner noch den linken Hinterreifen. Dann ging alles ganz schnell: ein Krankenwagen kam, die Polizei, ich wurde mit unserem Besuch zu einem Provinzkrankenhaus in die n\u00e4chst gr\u00f6\u00dfere Ortschaft gefahren, Christopher blieb mit der Polizei zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Meine Erleichterung war gro\u00df, als ich erfuhr, dass die anderen drei mit Blessuren und einem Schrecken davon gekommen waren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11742\" aria-describedby=\"caption-attachment-11742\" style=\"width: 226px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11742 \" title=\"lt_marion1303\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/lt_marion1303.jpg\" alt=\"lt_marion1303\" width=\"226\" height=\"322\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11742\" class=\"wp-caption-text\">Kan\u00fclen und Einstiche. Am Ende blieben blaue Flecken.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das Orts-Hospital<\/strong><br \/>\nNach dem R\u00f6ntgen im Krankenhaus bekam ich auch die Gewissheit, dass meine Blessur etwas schwerwiegender war: das rechte Schl\u00fcsselbein war mehrfach gebrochen und m\u00fcsste operiert werden. Nur: hier in Progreso, der kleinen Ortschaft \u00e2\u20ac\u201cwas ja auf Deutsch Fortschritt bedeutet- war das nicht m\u00f6glich. Was vielleicht im Nachhinein auch Gl\u00fcck war: wenn auch das Personal sehr freundlich war, waren ihre Mittel doch sehr begrenzt. Von dem Versuch, mir in den linken Handr\u00fccken eine Kan\u00fcle zu verlegen, trage ich -auch zwei Wochen danach- eine fl\u00e4chendeckende gr\u00fcn-blaue Verf\u00e4rbung dort. Von dem \u00d6rtchen selbst habe ich nicht mehr viel gesehen.<\/p>\n<p><strong>Die OP<\/strong><br \/>\nMein Besuch war in der Nacht in ein Hotel untergebracht worden, wo die Zimmert\u00fcr sich nicht abschlie\u00dfen lie\u00df und die M\u00f6glichkeit in dem Ort einen Kaffee zu kaufen, waren wohl mehr als begrenzt. Es gab wohl gar nichts. Am n\u00e4chsten Morgen  &#8211; nachdem man mich noch einmal mit Schmerzmitteln voll gepumpt hatte- wurde ich von Kollegen, mit denen wir urspr\u00fcnglich zum Nationalpark fahren wollten (die waren dort angekommen, wussten aber auch sofort, wo unsere Unfallstelle war, denn ihnen w\u00e4re es dort fast genau so gegangen) abgeholt und in eine Privatklinik nach Mexiko-Stadt gebracht.<\/p>\n<p>In einer dreist\u00fcndigen OP wurde mir das Schl\u00fcsselbein mit Edelstahlklammern wieder zusammengeflickt. Auch \u00fcber die anschlie\u00dfende Behandlung kann ich mich nicht beschweren. Doch nun kommt nat\u00fcrlich der Punkt, der das m\u00f6glich gemacht hat: wenn ich in Deutschland nicht eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen h\u00e4tte, w\u00e4re dabei locker mehrere Monatsgeh\u00e4lter von mir dabei draufgegangen. Denn mit dem staatlichen mexikanischen Gesundheitssystem w\u00e4re es mir bei weitem nicht so gut ergangen.<\/p>\n<p><strong>Das Gesundheitssystem<\/strong><br \/>\nUnd das bringt mich zum n\u00e4chsten Punkt. Also, das staatliche mexikanische Gesundheitssystem hat staatliche Krankenh\u00e4user, in dem sich jeder Arbeitnehmer krankschreiben lassen muss, wenn er weiter seinen Lohn beziehen m\u00f6chte. Nun gut, kurz das Positive: das ist ja schon mal etwas f\u00fcr ein Schwellenland. Nur die Schikanen, die damit verbunden sind, werfen doch einen nicht geringen Schatten darauf.<\/p>\n<p><strong>Das IMSS<\/strong><br \/>\nSo sa\u00df ich in der letzten Woche lange in einem so genannten <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Mexican_Social_Security_Institute\" target=\"_blank\">IMSS<\/a>-Krankenhaus, um dann von der mir zugewiesenen \u00c4rztin zu erfahren, dass meine Unterlagen nicht ausreichend seien. Doch damit nicht genug: ihre Zwischent\u00f6ne gingen immer in die Richtung, warum ich gringa eigentlich ihr System missbrauche. Freundlich l\u00e4chelnd ging ich \u00fcber die Bemerkungen hinweg, irgendwie war mir nicht nach \u00c4rger. Mit ihrem Zettelchen, auf dem sie mir notiert hatte, was mir denn noch so fehlte, ging ich zu meinem behandelnden Arzt. Dann wieder zur imss. Zwei Stunden Warten, dann wieder diese \u00c4rztin, die wieder meinte, das sei unzureichend.  Diesmal war noch eine weitere \u00c4rztin im Zimmer, die darauf hinwies, ich m\u00fcsse gar nicht in das Behandlungszimmer, sondern zur Verwaltung. Daraufhin platzte Christopher, der diesmal mit dabei war, was das denn diese Schikanen sollen. Ich hingegen \u00e4rgerte mich \u00fcber mein Lammsein, wahrscheinlich t\u00e4te es mir auch besser, ab und an solchen Leuten die Meinung ins Gesicht zu br\u00fcllen. Und mir nicht st\u00e4ndig Gedanken dar\u00fcber zu machen, ob das nun rassistisch sei, nur weil das gegen\u00fcber eine andere Nationalit\u00e4t hat.<br \/>\nKurzum: bislang ist immer noch offen, ob ich eine Lohnfortzahlung bekomme, auch kann mir niemand eine genaue Info geben, ob die denn 100% oder nur 70% betr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Die Lehren<\/strong><br \/>\nIch kann nur sagen, der Beh\u00f6rdenirrsinn hier kann sich locker mit dem deutschen messen. Jedoch muss ich leider auch anmerken, dass die Wahrscheinlichkeit in Deutschland auf eine unbeleuchtete bzw. nicht beschilderte pl\u00f6tzlich auftretende Fahrbahntrennung zu treffen, eher gering ist. Daf\u00fcr aber wieder gelernt, was jeder Reisef\u00fchrer sagt: nachts besser nicht auf Landstra\u00dfen unterwegs sein. Und immer anschnallen. Denn ich m\u00f6chte mir nicht ausmalen, was passiert w\u00e4re, wenn wir unangeschnallt gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Jedenfalls f\u00fchrte das in der letzten Woche schon einmal dazu, dass alle Taxifahrer sich, mit denen ich zu den diversen Krankenh\u00e4usern gefahren sind und nachdem ich ihnen meine Unfallgeschichte erz\u00e4hlt habe, angeschnallt haben.<\/p>\n<p>Des weiteren bin ich momentan krankgeschrieben, was ich aber weniger bedauerlich finde. So bleibt viel Zeit zum Lesen.<\/p>\n<p><strong>Fukushima und das mexikanische AKW<\/strong><br \/>\nHier in Mexiko ist der Schock \u00fcber die Katastrophen in Japan auch sehr gro\u00df. Besonders nachdem es zun\u00e4chst hie\u00df eine radioaktive Wolke k\u00f6nnte hierher ziehen. Doch seit einer Woche ist davon keine Rede mehr. In Veracruz, an der Ostk\u00fcste, steht das einzige <a href=\"http:\/\/wissen.de.msn.com\/bilder.aspx?cp-documentid=156596779&amp;page=2\" target=\"_blank\">Atomkraftwerk des Landes.<\/a> Als es gebaut wurde, gab es wohl Proteste, aber im Augenblick ist es ruhig. Auch wenn ich es nun nur aus der Ferne verfolgen kann, bin ich doch froh, welcher Widerstand gegen Atomkraft in Deutschland sich nun wieder bildet. Nur: wenn ich auf Frankreich und seine Atomkraftwerkdichte blicke, bleibt da ein Unbehagen.<\/p>\n<p>Also, wenn ihr nicht gerade protestiert, w\u00fcnsche ich euch einen nun hoffentlich warmen entspannten Fr\u00fchlingsanfang.<\/p>\n<p><strong>Muchos saludos desde M\u00e9xico,<br \/>\nMarion<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist der 13. 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