{"id":11415,"date":"2011-03-03T21:52:11","date_gmt":"2011-03-03T20:52:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=11415"},"modified":"2020-01-18T23:15:32","modified_gmt":"2020-01-18T22:15:32","slug":"eine-reise-nach-kuba-teil-4-kitschiges-interieur-einer-ideologisch-verblindeten-karibikidylle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/eine-reise-nach-kuba-teil-4-kitschiges-interieur-einer-ideologisch-verblindeten-karibikidylle\/","title":{"rendered":"Eine Reise nach Kuba: Teil 4 &#8211; kitschiges Interieur einer ideologisch verblindeten Karibikidylle"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_11417\" aria-describedby=\"caption-attachment-11417\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11417\" title=\"cuba05\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba05.jpg\" alt=\"Abseits der touristischen Routen steht zur Warnung der Bev\u00f6lkerung drauf, was drin ist: Einsturzzone. (fotos: weber)\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba05.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba05-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11417\" class=\"wp-caption-text\">Abseits der touristischen Routen steht zur Warnung der Bev\u00f6lkerung drauf, was drin ist: Einsturzzone. (fotos: weber)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>La Habana am Malec\u00f3n ist eine Seite aus einem Hochglanzreisef\u00fchrer; tau-gl\u00e4nzende Mulatten, wei\u00dfe Gischt, gewagte Spr\u00fcnge in die Karibische See. <\/strong><\/p>\n<p><em>Dies ist der vierte Teil eines Reisetagebuchs. Unser Autor ist im letzen Jahr nach Kuba gereist und hat sich sehr pers\u00f6nliche Gedanken gemacht. <\/em><em> Die vohergehenden drei <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?cat=2153\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel sind hier im Blog<\/a> zu lesen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Prostitution und Kitsch<\/strong><br \/>\nAber stra\u00dfenseitig geht viel Prostitutionsverkehr, und die 1950er Chevreolets der geflohenen Bourgeoisie &#8211; mittlerweile nurmehr armseliges, schrottiges Symbol der einstigen Umverteilung im Land, kitschiges Interieur einer ideologisch verblindeten Karibikidylle, Wahnwelt linker Kreise &#8211; die dieseln wie weiland in Ostberlin der untergegangenen DDR. &#8211;<\/p>\n<p><strong>Sozialistische Plattenbauten in Pastell<\/strong><br \/>\nEhrlich gesagt, ist es wieder &#8218;mal zum Weglaufen; es fehlt an allem. Es fehlt an Stra\u00dfencaf\u00e9s f\u00fcrs einfache Volk. Daf\u00fcr stieren wieder ziemlich viele hohl\u00e4ugige Fassaden in die felsige Brandung. Dazwischen posen aufgepeppte Lokale f\u00fcr die Touristen, die auf der Terrasse des Hotel Nacional einen Cocktail, vorzugsweise einen Mojito, bei Sonnenuntergang genie\u00dfen. An der Kappspitze blitzen die Kanonen der Festung El Moro und weiter &#8218;gen Osten schimmern die sozialistischen Plattenbauten in Pastell.<\/p>\n<p><strong>Seit dem Papstbesuch gibt es wieder Weihnachten<\/strong><br \/>\nIn der Calle Hamel, die der Berliner Besetzer-Style \u00e1 la Tacheles, Hauptsache lebendig-bunt, schm\u00fcckt, soll&#8217;s angeblich Santer\u00eda f\u00fcr den Touristen geben. Seit dem Papstbesuch 1998 gibt es auch wieder Weihnachten, was Fidel Castro und seiner KP lieber war als die unkontrollierbare Pluralit\u00e4t einer synkretistischen Volksreligi\u00f6sit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Katholizismus als folkloristisches Brauchtum<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_11418\" aria-describedby=\"caption-attachment-11418\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11418 \" title=\"cuba07\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba07.jpg\" alt=\"Jesus-Statue\" width=\"192\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba07.jpg 320w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba07-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 85vw, 192px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11418\" class=\"wp-caption-text\">Jesus-Statue<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein zum folkloristischen Brauchtum entsch\u00e4rfter Katholizismus hielten die Parteibonzen im krankhaften Kontrollwahn dann doch f\u00fcr sicherer, weil b\u00fcrokratisch rektifizier- und damit verwaltbar. Der neu-alte Herrschaftsmonolog der Partei ersetzt letztlich sowieso nur den alteurop\u00e4ischen von Gottes Gnaden. Dr\u00fcben, auf der andern Seite des Hafens segnet eine Jesus-Statue, wie die in R\u00edo de Janeiro im Himmel ihre Arme der Stadt entgegenbreitet, barmherzig die verrottete Stadt.<\/p>\n<p><strong>La Habana Nueva<\/strong><br \/>\n<em>A.v. Humboldt in seinem Reisetagebuch am 9.3.1801 vor der K\u00fcste Kubas: \u00e2\u20ac\u017e[&#8230;] das Blut [der Pelikane] rieselte von den B\u00e4umen herab, denn die Matrosen waren mit dicken St\u00f6cken und mit Messern bewaffnet. Vergeblich warfen wir ihnen Graumsamkeit und unn\u00f6tige Qu\u00e4lerei vor. Zu andauerndem Gehorsam in den Wasserein\u00f6den verurteilt, ist es der Matrosen Lust, eine grausame Herrschaft \u00fcber die Tierwelt zu \u00fcben, wo die Gelegenheit sich bietet. Der Boden war bedeckt von zahlreichen verwundeten V\u00f6geln, die mit dem Tode rangen. Bei unserer Ankunft hatte tiefe Ruhe in diesem kleinen Erdenwinkel geherrscht. Jetzt schien alles zu verk\u00fcnden: Der Mensch ist dagewesen!\u00e2\u20ac\u0153<br \/>\n(ders.: Die Wiederentdeckung der Neuen Welt. Erstmals zusammengestellt aus dem unvollendeten Reisebericht und den Reisetageb\u00fcchern. Hrsg. u. eingeleitet von Paul Kanut Sch\u00e4fer. Ost-Berlin 1989 (1.Auf.), S. 199.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Klischees zerstieben<\/strong><br \/>\nDas Klischee des kolonialen Kubas zerstiebt jenseits der Repr\u00e4sentationsviertel, in die sich seit Jahrzehnten der Krebsschaden der sozialistischen Revolution hineingefressen hat, sofern nicht kurzfristig dies und das saniert wurde, des lieben Mammons der Touristen wegen.<\/p>\n<p><strong>Mit besten Absichten zum Vollschrott<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_11419\" aria-describedby=\"caption-attachment-11419\" style=\"width: 307px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11419 \" title=\"cuba06\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba06.jpg\" alt=\"Bunte Fassaden\" width=\"307\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba06.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/cuba06-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 307px) 85vw, 307px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11419\" class=\"wp-caption-text\">Bunte Fassaden und\/oder Vollschrott?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was hochfahrend und voll der besten Absichten 1959 begann, in der Tradition der b\u00fcrgerlichen Revolutionen und ihres republikanischen Geistes, der die Freiheit vor Staatseingriffen in das funkenschlagende Spannungsverh\u00e4ltnis der Gleichheit vor dem Gesetz zwang, verschied hier zur Karikatur, zur \u00fcblichen sozialistischen Gleichheit der gro\u00dfen Masse im Elend. Mangel und horrende Misswirtschaft, Lethargie und gesellschaftliche Korruption von den Kadern bis hinunter zum kleinen Mann auf der Stra\u00dfe regieren und beherrschen das triste Stadtbild. Es mutet einem das heruntergekommene Ostberlin der sp\u00e4ten 1980er Jahre noch zwanzig Jahre sp\u00e4ter zu &#8211; schlicht Vollschrott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>La Habana am Malec\u00f3n ist eine Seite aus einem Hochglanzreisef\u00fchrer; tau-gl\u00e4nzende Mulatten, wei\u00dfe Gischt, gewagte Spr\u00fcnge in die Karibische See. Dies ist der vierte Teil eines Reisetagebuchs. 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