{"id":10948,"date":"2011-01-25T18:27:35","date_gmt":"2011-01-25T17:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=10948"},"modified":"2013-11-09T19:31:47","modified_gmt":"2013-11-09T18:31:47","slug":"judische-familien-in-meschede-%e2%80%93-zeitzeugen-berichteten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/judische-familien-in-meschede-%e2%80%93-zeitzeugen-berichteten\/","title":{"rendered":"J\u00fcdische Familien in Meschede &#8211; Zeitzeugen berichteten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2035\" aria-describedby=\"caption-attachment-2035\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-2035\" title=\"Das Projekt Stolpersteine \" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/stolperstein01-150x150.jpg\" alt=\"Das Projekt Stolpersteine\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2035\" class=\"wp-caption-text\">Das Projekt Stolpersteine<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Vier ehemalige Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler j\u00fcdischer Kinder aus Meschede berichteten an einem Freitag Abend im Januar 2011 \u00fcber ihre Erlebnisse mit j\u00fcdischen Familien in ihrer Heimatstadt Meschede im Sauerland.<\/strong><\/p>\n<p>Vieles haben die beiden Damen und die zwei Herren, geboren in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, noch von ihrer Jugendzeit in Erinnerung.<\/p>\n<p>So erz\u00e4hlten sie beispielsweise, es h\u00e4tten 1925 ca. 10 evangelische Familien in der katholischen Kleinstadt Meschede (ca. 3.500 Einwohner) gelebt. Deren Kinder besuchten bis 1938 eine eigene, evangelische Schule. Evangelische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus den D\u00f6rfern Schederberge und Wennemen mussten nach Meschede zum Unterricht. Die Kinder der ca. 10 j\u00fcdischen Familien in Meschede hingegen wurden gemeinsam mit den katholischen Kindern unterrichtet. Ein \u00e2\u20ac\u017eUnterschied\u00e2\u20ac\u0153 war den Kinder in der Regel gar nicht bewusst. Jungen und M\u00e4dchen wurden damals noch getrennt unterrichtet.<\/p>\n<p>Die Namen der j\u00fcdischen Familien in Meschede waren allen Vieren gleich wieder pr\u00e4sent. Da gab es beispielsweise zwei Familien mit dem Namen Rosenthal, eine Familie namens Ikenberg, eine Familie Hesse und drei mit dem Familiennamen Ransenberg. Die \u00f6rtliche Zuordnung der ehemaligen Wohnungen\/H\u00e4user stellte ebenfalls kein Problem dar.<\/p>\n<p>Alle waren sich einig, die eine Familie Rosenthal wohnte dort wo jetzt die Volksbank ist, und der anderen geh\u00f6rte das jetzige Kaufhaus Heide in der Steinstra\u00dfe. Familie Hesse f\u00fchrte ein Textilgesch\u00e4ft am Kaiser-Otto-Platz (fr\u00fcher Krause). Diese Familie Hesse h\u00e4tte jedes Jahr aufs neue 20 der \u00e4rmsten Kommunionkinder aus Meschede kostenlos eingekleidet. Das wurde von unseren Zeitzeugen \u00fcbereinstimmend berichtet.<\/p>\n<p>Gerade die Familie Hesse, so betonten die vier, w\u00e4re immer besonders hilfsbereit und gro\u00dfz\u00fcgig gewesen. Auch die \u00f6rtliche Hebamme konnte sich immer an die Familie wenden, wenn es galt, einer bed\u00fcrftigen W\u00f6chnerin unter die Arme zu greifen. Umso trauriger sei, dass gerade sie ein schlimmes Schicksal erlitten haben. Die Tochter des verwitweten Herrn Hesse, Lore, h\u00e4tte den Judenstern tragen m\u00fcssen und sei geh\u00e4nselt worden. Daraufhin schickte ihr Vater sie in ein Internat nach Augsburg, von wo aus sie, als das Leben in Deutschland immer gef\u00e4hrlicher wurde, im Alter von 8 Jahren, zusammen mit ihrem Vater und seiner zweiten Frau nach Pal\u00e4stina auswanderte. Dort h\u00e4tten es die Hessens gar nicht gut angetroffen. Herr Hesse w\u00e4re damals schon \u00fcber 60 Jahre alt gewesen und musste seine kleine Familie mit dem Verkauf des von seiner Frau selbst gebackenen Kuchens m\u00fchselig \u00fcber die Runden bringen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die vier agilen Mescheder erinnerten sich noch an viele weitere Begebenheiten und Details aus der gar nicht so \u00e2\u20ac\u017eGuten Alten Zeit\u00e2\u20ac\u0153. Bestimmt k\u00f6nnten sie B\u00fccher mit ihren Erz\u00e4hlungen f\u00fcllen. Schade, dass an diesem Abend nur wenige Leute der Einladung in die Alte Synagoge in Meschede gefolgt waren. Eine gr\u00f6\u00dfere Veranstaltung zu diesem oder einem \u00e4hnlichen Themen w\u00e4re sehr w\u00fcnschenswert; denn es ist eine Frage der Zeit, wie lange die Zeitzeugen noch berichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Initiative f\u00fcr die kleine Veranstaltung ging vom Ratsmitglied Jochen Senge von der Fraktion &#8222;Meschede braucht Zukunft&#8220; (MbZ) aus. Herr Senge geh\u00f6rt als MbZ-Mitglied dem Arbeitskreis &#8222;Stolpersteine&#8220; an. Hintergrund f\u00fcr die Bildung dieses Gremiums: Die Fraktion der Gr\u00fcnen im Rat der Stadt Meschede beantragte im letzten Jahr auch in Meschede sogenannte &#8222;Stolpersteine&#8220; zur Erinnerung an die ermordeten Juden in Meschede zu verlegen, so wie es bereits in \u00fcber 500 St\u00e4dten und Gemeinden in Deutschland, wie z.B. auch in Arnsberg, geschehen ist. Der Stadtrat beschloss daraufhin, zun\u00e4chst einen Arbeitskreis zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Wie Jochen Senge berichtete, kamen nach offiziellen Informationen im Holocaust vermutlich f\u00fcnf j\u00fcdische Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger aus Meschede zu Tode. An diese f\u00fcnf NS-Opfer soll durch kleine Gedenktafeln aus Messing erinnert werden. Die beschrifteten Messingtafeln des K\u00fcnstlers Gunter Demnig werden im Bereich der ehemaligen Wohnungen der Get\u00f6teten \u00e4hnlich wie Pflastersteine in den B\u00fcrgersteig eingelassen. Pro Gedenkstein fielen Kosten von ca. 100,- Euro an. Jochen Senge ist optimistisch, dass f\u00fcr diesen Zweck 500,- Euro auf-gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und um nun noch einmal auf unsere vier Zeitzeugen zur\u00fcck zu kommen. Sie w\u00fcnschen sich \u00fcbereinstimmend am Stiftsplatz eine Gedenktafel f\u00fcr alle Juden aus Meschede. Stolpersteine und Gedenktafel &#8211; das eine schlie\u00dft das andere nicht aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier ehemalige Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler j\u00fcdischer Kinder aus Meschede berichteten an einem Freitag Abend im Januar 2011 \u00fcber ihre Erlebnisse mit j\u00fcdischen Familien in ihrer Heimatstadt Meschede im Sauerland. 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