{"id":10045,"date":"2010-11-27T23:51:29","date_gmt":"2010-11-27T22:51:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=10045"},"modified":"2010-11-27T23:53:59","modified_gmt":"2010-11-27T22:53:59","slug":"ciudad-mexico-desillusionierungen-beobachtungen-und-impressionen-aus-einem-faszinierenden-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ciudad-mexico-desillusionierungen-beobachtungen-und-impressionen-aus-einem-faszinierenden-land\/","title":{"rendered":"Ciudad Mexico: Desillusionierungen. Beobachtungen und Impressionen aus einem faszinierenden Land."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_10047\" aria-describedby=\"caption-attachment-10047\" style=\"width: 512px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10047\" title=\"popocatepetl\" src=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/popocatapetl.jpg\" alt=\"Bekannter ist der hier und seinen Namen musste fast jeder im Erdkundeunterricht auswendig lernen: der Popocatepetl im Abendlicht. (foto: koerdt)\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/popocatapetl.jpg 512w, https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/popocatapetl-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 85vw, 512px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10047\" class=\"wp-caption-text\">Ein alter Bekannter. Seinen Namen musste fast jeder im Erdkundeunterricht auswendig lernen: der Popocatepetl im Abendlicht. (foto: koerdt)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Dieser Artikel ist <a href=\"..\/?author=23\" target=\"_blank\">Teil einer pers\u00f6nlichen Serie<\/a> \u00fcber das Leben in Mexico-City. Heute kn\u00fcpfen wir <a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?p=9985\" target=\"_blank\">an die Osterzeit <\/a>an. Die vorhergenden Teile  der Serie<a href=\"http:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/?author=23\" target=\"_blank\"> sind hier zu finden<\/a>.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Hola a todos,<\/strong><\/p>\n<p>zun\u00e4chst einmal etwas Trauriges: Belde* hat hingeschmissen und somit werde ich wohl keine weiteren Einblicke in das Welt- und Geschichtsbild einer t\u00fcrkischen Oberschichten-Tochter gewinnen k\u00f6nnen. Sorry, aber mit einem Exklusiv-Interview wird es wohl nichts mehr.<\/p>\n<p><strong>Auszug aus dem Wolkenkuckucksheim<\/strong><br \/>\nDaf\u00fcr bin ich wohl in der letzten Woche aus meinem flauschigen Wolkenkuckucksheim rausgeschmissen worden: w\u00e4hrend wohl alle Welt denkt \u00e2\u20ac\u201cich war da keine Ausnahme-, der Drogenkrieg tobe im Norden des Landes an der Grenze zur USA wurde ich eines Besseren belehrt. Nur 100 Meter Luftlinie von der Schule entfernt \u00e2\u20ac\u201cund die Schule liegt wirklich in einem der betuchten Viertel, dort werden ganze Stra\u00dfen gesperrt und bewacht, damit die Oberschicht dort in Ruhe ihre Angestellten schikanieren kann- wurden in einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Banden (es ging, na klar, um Drogen) zwei M\u00e4nner erschossen. Zwei der Beteiligten wollten vom Tatort fliehen, daf\u00fcr rissen sie eine Frau aus ihrem Wagen und verschwanden damit. Diese Frau ist eine Mutter von zwei Sch\u00fclerinnen der Deutschen Schule und war gerade auf dem Weg dorthin, um die Kinder abzuholen.<\/p>\n<p><strong>Schie\u00dfereien<\/strong><br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag erfuhr ich dann von einer weiteren Schie\u00dferei, die auf dem Heimweg meiner Kollegin stattgefunden hat. Sie wusste, dass ihre Tochter gerade nach Hause wollte und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich meine Kollegin gef\u00fchlt hat. Wahrscheinlich w\u00e4re ich an ihrer Stelle vor Angst fast ausgeflippt, aber sie hat wirklich sehr besonnen reagiert. Dennoch war ihre Erleichterung mehr als gro\u00df, als sie ihre Tochter endlich telefonisch erreichen konnte.<\/p>\n<p><strong>Drogen &#8211; auf dem Schulhof angefixt<\/strong><br \/>\nPassend dazu las ich dann auch noch einen Artikel, aus dem hervorging, dass die meisten Drogen gar nicht in die Vereinigten Staaten geschmuggelt werden, sondern in die Hauptstadt. Hier ist wohl die Anzahl der Abh\u00e4ngigen in den letzten Jahren rapide angestiegen und es gibt keine richtigen, politischen Programme, die das angehen. Und wo werden die Leute \u00e2\u20ac\u0161angefixt\u00e2\u20ac\u2122? Auf dem Schulhof. Die Deutsche Schule versteckt sich ja hinter Eisent\u00fcren und Mauern und wird dar\u00fcber hinaus von einem Wachdienst kontrolliert. Aber ich m\u00f6chte nicht wissen, was hier an staatlichen Schulen los ist.<\/p>\n<p><strong>Der Alltag und die Diskriminierung &#8211; die Wellblechh\u00fctte auf dem Dach<\/strong><br \/>\nNach und nach werde ich hier doch auf die kleinen Unterschiede gesto\u00dfen, die ich mich teils schon sprachlos zur\u00fcck lassen. Gestern war ich auf einer \u00e2\u20ac\u017eJewelry Rock Party\u00e2\u20ac\u0153: meine US-amerikanische Mitstreiterin im Spanisch-Kurs, Cindy*, entwirft selbst Schmuck und hatte zu einer Art \u00e2\u20ac\u0161Tupper-Party\u00e2\u20ac\u2122 mit Schmuckverkauf geladen. Nat\u00fcrlich war ich neugierig auf die Wohnung, die sich als riesiges Penthouse oberhalb der D\u00e4cher von Polanco entpuppte, das sie sich mit einer anderen US-Amerikanerin teilt. Als ich auf die Terrasse trat, stand dort eine kleine Wellblechh\u00fctte und ich fragte, ob das so eine Art Abstellkammer sei. Nein, dort w\u00fcrde ihr Hausm\u00e4dchen mit noch einer Freundin wohnen und sie \u00f6ffnete kurz die T\u00fcr und ich starrte auf eine 90 cm breite Matratze, die auf dem Boden lag.<\/p>\n<p><strong>Die Sch\u00f6nheit mit der falschen Hautfarbe<\/strong><br \/>\nNagia* aus dem Kurs wiederum macht ihre Erfahrungen fast von der anderen Seite aus: die Brasilianerin, die wohl unter das Stereotyp milchkaffeebraune Sch\u00f6nheit fallen w\u00fcrde, wird von ihren Nachbarn im Haus nicht gegr\u00fc\u00dft. Als sie mal eine Frau nach dem Grund fragte, wurde ihr klargemacht, dass \u00e2\u20ac\u0161empleadas\u00e2\u20ac\u2122, also Dienstm\u00e4dchen, generell nicht gegr\u00fc\u00dft werden.<\/p>\n<p><strong>Wir verleihen nicht an Ausl\u00e4nder<\/strong><br \/>\nDagegen wurde mir am letzten Wochenende erst hinterher deutlich, dass ein kleiner Hinweis auch eher diskriminierend gemeint war: wir wollten uns R\u00e4der ausleihen und der Typ an der Radstation sagte sehr bestimmend, dass er nur an Mexikaner ausleihe und nicht an Ausl\u00e4nder. Das sei generell so. Auf unseren Einwand, wir h\u00e4tten uns doch schon einmal an einer anderen Station R\u00e4der geliehen, meinte er, sein Kollege d\u00fcrfe das eigentlich nicht und k\u00f6nnte auch Konsequenzen f\u00fcr denjenigen haben. Wir dackelten davon, um dann zu sehen, dass zahlreiche Ausl\u00e4nder auf Leihr\u00e4dern unterwegs waren. Tja, solche Feinheiten gibt es auch \u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p><strong>&#8230; hasta luego!<\/strong><\/p>\n<p><em>* Namen ge\u00e4ndert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist Teil einer pers\u00f6nlichen Serie \u00fcber das Leben in Mexico-City. Heute kn\u00fcpfen wir an die Osterzeit an. Die vorhergenden Teile der Serie sind hier zu finden. Hola a &hellip; <a href=\"https:\/\/www.schiebener.net\/wordpress\/ciudad-mexico-desillusionierungen-beobachtungen-und-impressionen-aus-einem-faszinierenden-land\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eCiudad Mexico: Desillusionierungen. 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