Rückblick Grundsteinlegung Oversum: Vom „Quell der Gesundheit“ zum Steuergrab?

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Baustelle Oversum im Frühjahr 2011 (archiv: zoom)

Vor knapp vier Jahren erschien im Behördenspiegel, der sich wie eine Werbezeitung der PPP-Wirtschaft las, ein Artikel über die feierliche Grundsteinlegung des Winterberger Oversumkomplexes am 23.07.2010.

Zur Erinnerung an die damalige Euphorie möchten wir einige wichtige Aussagen erneut aufgreifen und erläutern. Der Behördenspiegel schreibt:

Der eiförmige Hotelkomplex als prägendes Element ragt markant hervor, die restlichen Gebäudeteile integrieren sich perfekt in die Landschaft. Auch das Finanzierungsmodell ist zukunftsweisend. In privat-öffentlicher Kooperation haben die Verantwortlichen ein Modell entwickelt, das in bislang nicht dagewesener Weise Synergiemöglichkeiten ausschöpft.

Der zweite Satz geht uns nach den Erfahrungen der vergangenen fast vier Jahre runter wie Butter. Zur Erinnerung:

Eröffnung des Oversums mit Hotel und Schwimmbad am 15. Mai 2012.

Am 26.03.2013 ging die Vitalresort Winterberg GmbH in die Insolvenz.

Am 01. 05.2013 schloss das Winterberger Schwimmbad im Oversum.

Am 28.06.2013 stellte die Aquasphere, die Betreibergesellschaft des Badbereichs des Oversum Vital Resort Winterberg  Insolvenzantrag.

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Ruhrquelle bei Winterberg. Wasser aus der Ruhr und der Lenne haben Wolfram Wäscher und Winterbergs Bürgermeister Eickler 2010 bei der Grundsteinlegung für das Oversum eingemauert. (archiv: zoom)

Weiter im Text des Behördenspiegels:
„Jetzt haben Bürgermeister Werner Eickler und Wolfram Wäscher, geschäftsführender Gesellschafter der investierenden s.a.b. Gruppe, gemeinsam den Grundstein für den neuen Komplex gelegt. In einem symbolischen Akt haben sie deutlich gemacht, dass das Oversum ein „Quell der Gesundheit“ sein wird. Je einen Behälter mit Wasser aus der Ruhr- und aus der Lennequelle haben die Verantwortlichen mit eingemauert und so Bezug genommen auf die künftigen Aktiv- und Gesundheitsangebote sowie den großzügigen Badbereich.“

Welch großartige Geste, welch bedeutsamer symbolischer Akt: Einen Behälter mit Wasser einmauern. Wasser aus Ruhr und Lenne. Ehrlich, wer kommt auf eine so beknackte Idee? Das eingemauerte Wasser war wohl ebenso wenig von Dauer wie das Schwimmbad im Oversum und die Symbolik somit ungewollt treffend.

Die Grundsteinlegung ist gleichzeitig der Auftakt des „Winterberger Wasserratten Förderpreises“, gestiftet von der s.a.b. Gruppe. Alljährlich zum 22. Juli soll ein Malwettbewerb für Kinder unter dem Thema Wasser starten.

In meinem Umfeld hat niemand je vom „Winterberger Wasserratten Förderpreis“ gehört. Kein Wunder. Ein Jahr später konnten Winterberger Kinder schon gar nicht mehr im Oversum schwimmen, es war ja bereits wieder geschlossen.

Das Oversum Vital Resort … zentralisiert und bündelt damit die Haupt-Gesundheitsangebote der Ferienwelt Winterberg an einem Ort. Durch neue, bislang fehlende Offerten füllen die Anbieter Lücken in der bisherigen Angebotspalette.

Danke, liebe „Anbieter“. Aber Lücken gibt es eigentlich erst, seit es das Oversum gibt. Mir fehlt ein Freibad und den Kindern die Eishalle. Aber …

Das Oversum Vital Resort ist das erste PKSP-Projekt. Von den so geschaffenen Synergien profitieren alle, von der Stadt über den Betreiber und die Dienstleister bis hin zu jedem einzelnen Gast und Bürger.

…da sind die Synergieeffekte. Super Dinger. Und das Tollste ist: Wir wissen bis heute nicht, was der Spaß gekostet hat, momentan kostet und in Zukunft kosten wird. Wenn also kein Quell der Gesundheit, dann zumindest ein Quell der Freude.

13 Gedanken zu „Rückblick Grundsteinlegung Oversum: Vom „Quell der Gesundheit“ zum Steuergrab?“

  1. Der eiförmige Hotelkomplex als prägendes KOSTEN-Element ragt markant hervor, die restlichen Gebäudeteile integrieren sich perfekt in die SCHULDEN-Landschaft. Auch das Finanzierungsmodell ist FÜR DIE SOZIALISIERUNG SOLCHER AUSGABEN zukunftsweisend. In privat-öffentlicher Kooperation haben die Verantwortlichen OHNE DAS SIE PRIVAT DAFÜR HAFTEN MÜSSEN ein Modell entwickelt, das in bislang nicht dagewesener Weise Synergiemöglichkeiten FÜR INVESTOREN ausschöpft UND DEN KOMMENDEN GENERATIONEN GEWALTIGE KOSTEN HINTERLÄSST.

    SO WIRD EIN SCHUH DRAUS!

  2. Amtsgericht Arnsberg, Aktenzeichen: 21 IN 102/13

    In dem Insolvenzverfahren über das Vermögen

    der im Handelsregister des Amtsgerichts Kempten (Allgäu) unter HRB 11304 eingetragenen Vitalresort Winterberg GmbH, In Pfalzen 8, 87534 Oberstaufen, gesetzlich vertreten durch die Gesellschafterinnen, die Oversum Hotel GmbH, Am Kurpark 6, 59955 Winterberg, diese vertreten durch den Geschäftsführer Gerhard Huber, Am Kurpark 6, 59955 Winterberg und, die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH, Am Kurpark 4, 59955 Winterberg, diese vertreten durch den Geschäftsführer Michael Beckmann, Am Kurpark 4, 59955 Winterberg

    hat das Gericht der Schlussverteilung zugestimmt.

    Nach der Anzeige des Insolvenzverwalters betragen die Forderungen der Insolvenzgläubiger im Range des § 38 InsO 511.999,16 EUR.

    Für die Verteilung an die Gläubiger steht ein Betrag von 67.169,79 EUR zur Verfügung. Hiervon in Abzug zu bringen sind gegebenenfalls restliche Masseverbindlichkeiten. Es ist mit einer Quote von ca. 13,12 % für die festgestellten Forderungen zu rechnen.

  3. Gerhard Huber – ist das nicht der Geschäftsführer der Oversum Hotel GmbH?

    Deren Jahresabschluss 2014 vom 27.01.2016 hat einen Verlustvortrag von 567.434,73 Euro, einen nicht gedeckten Fehlbetrag von 489.447,50 Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von 5.532.783,65 Euro, davon mit Restlaufzeit bis 1 Jahr 721.300,15 Euro.

    Siehe Bundesanzeiger mit Stichwort „Oversum“.

    https://www.bundesanzeiger.de

  4. @Marker

    Wo finde ich die Entscheidung? Wie ist sie datiert?

    Überall gesucht und nichts gefunden :-(

    1. @Marker

      Jetzt habe ich es gefunden :-) Vielen Dank. War vorher zwar auch auf der Seite, habe aber anscheinend stets den falschen Einstieg gewählt.

      Datum 12.4.2016

      Eine Menge Geld weg. Wie wird der schlaue Fuchs in Winterberg den Verlust verbuchen?

  5. Und jetzt müssen sie im Schwimmbad eine „schwarze Wand“ weiß streichen und dies gilt als richtungsweisend und vor allem als Hintergrundinfo in der „WP“ abdruckbar. Dabei gäbe es so vieles… Das Außenbecken dümpelt vor sich hin – ok. – es war geschenkt und einem geschenkten Maul schaut man bekanntlich nicht in das Maul.
    Aber wie wäre es mit einfachem „Fensterputzen“ – Anlass zu immerwährenden Beschwerden der Gäste. Vor drei Jahren das angeblich letzte Mal und das an dieser Wetterfront im Kurpark und ohne Gardinen.
    Natürlich erfordert das futurische „Ei“ Profis und die wollen bezahlt sein…

  6. @Nofretete

    He, he … und dann lese ich in der WP:

    „Winterberg müsse aus dem Wühltisch des Preiskampfes herauskommen und sich ganz oben im Sortiment ansiedeln.“

    und

    „Ziel sei es, außerhalb der Wintermonate auch Besserverdienende als Gästeklientel zu gewinnen.“

    Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-winterberg-medebach-und-hallenberg/entwicklung-kann-sich-sehen-lassen-id11749436.html

    Viel Spaß, sage ich da nur …

    … und lese derweil die Hotelbewertungen des Oversum-Hotels.

  7. Über die Wühltischmetapher von Herrn Beckmann bin ich ebenfalls gestolpert. „Ganz oben“ soll sich Winterberg ansiedeln.

    Bedeutet das, ein minderwertiges Wühltischprodukt Winterberg steigt wie Phoenix aus der Asche und verwandelt sich plötzlich zu einer Art Davos, mit Starjuwelieren, Starfriseuren, Stargastronomie und der feinsten Mode von Welt?

    So genau wird Herr Beckmann nicht. Aber den Weg zeichnet er auf: eine klare Strategie und Einbindung der Dörfer mit ihren Stärken und Traditionen. Konkreter wird es nicht.

    Wie das zusammenpassen soll, eine recht desolate Winterberger Tourismusinfrastruktur und ein Platz „im Sortiment ganz oben“, bleibt Beckmanns Geheimnis.

  8. @ zoom

    „Ziel sei es, außerhalb der Wintermonate auch Besserverdienende als Gästeklientel zu gewinnen.“

    Wovon träumt man dort nachts?
    Man möge doch mal darüber nachdenken, warum sich „die Bessserverdienenden“ lieber in einem „5 Sterne Romantik- und Wellness Hotel Deimann“ in Schmallenberg oder einem „4 Sterne Landhotel Schütte“ in Oberkirchen niederlassen, anstatt ein Quartier in Winterberg zu beziehen.
    Die Feststellung, daß die Attraktivität der Kernstadt Winterberg subjektiv überschätzt wird, ist wohl legitim – gerade in den schneefreien Monaten.

  9. Schneefreie Wochen bis Neujahr – dafür geschlossene Schneedecke Ende April (ganz ohne Beschneiung) , geht bestimmt bis in den Mai hinein. Schlecht für Frühlingsblumen, Frühlingsmode und Eis auf Terrassen…
    Und die Besserverdienenden (wobei die Betonung auf „Besser“ liegt und nicht auf „verdienen“ – siehe Deutsche Bank, VW, German Pellets etc.) fliegen derweil zu den Hot-Spots in den Süden…

  10. Heute im Sauerland-Kurier: Seniorentag am 29. Mai 2016 in Winterberg. Alle Senioren über 65 mit ihren Partnern aus Winterberg und den Dörfern sind in das „Oversum“ eingeladen. Sie werden per Bus abgeholt, Freddy Albers und Heidi Hedtmann singen, es gibt Kaffee und Kuchen – deswegen rechtzeitige Anmeldung. Soweit so gut. Jetzt kommt es: „…Kaffeegeschirr (Tasse, Untertasse und Besteck) sind unbedingt selbst mitzubringen.“ Hä ? Woran mangelt es im „Oversum“ eigentlich ? Am Kaffeegeschirr, am Personal, an guten Gastgeberqualitäten oder generell am Konzept ? Das wäre in der alten Stadthalle (und es ist eben eine Einladung in die Stadthalle der Winterberger Bürger) bei Marie-Luise nie passiert.
    Wenn es das Wetter am 29. Mai 2016 zu lässt, wären die Winterberger Senioren besser beraten mit ihrem Picknick-Korb und Decke auf eine der schönen Bergmähwiesen in der Umgebung zu gehe. Freddy Albers und Heidi Hedtmann gehen bestimmt gerne mit…
    Apropos Gastgeberqualitäten: Bei der Beratung zum Tourismuskonzept 2.0 (es waren rund 100 interessierte Gäste im Tagungsraum des „Oversum“) standen 7 Flaschen Selters ( immerhin 0,75 l) und ein paar Gläser lieblos auf den Tischen im Hintergrund. Es war ziemlich warm im Raum und es wurde viel geredet, Also musste in der Pause etwas Wasser nachgeholt werden. Man bedenke die Tatsache, dass namhafte Hoteliers der Stadt Winterberg und der Sauerland-Tourismus zu Gast waren…

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